Spielabend, 22.09.
Auch dieses Mal wieder in einer fünfer Runde spülte uns ein erster Wellenschlag der Essener Neuheiten das “Magister Navis” von Lookout Games auf den Tisch. Die sehr detailverliebte Ausstattung lässt schon beim Anblick der Schachtel glauben, sie wäre tatsächlich aus Leder. Eine Tasche ist abgebildet, aus welcher Seekarten hervorlugen. Sie ist natürlich gebraucht und die Abnutzungen am Rand wirken so gut, dass jeder am Tisch reflexartig an selbige griff, um sich von der Unversehrtheit zu überzeugen. Das Hauptspielbrett ist gewöhnungsbedürftig. Es stellt in der Mitte Europa dar und drum herum verschiedene Regionen in der Welt, die es zu entdecken gilt, genauer aus europäischer Sicht zu entdecken. Es ist aber keine Weltkarte im bekannten Sinne, sondern es handelt sich um Ausschnitte, die sich zwar auch farblich voneinander unterscheiden, aber in einem Aspekt zu Schwierigkeiten im Spielverlauf führten. Zwischen den Städten dieser Regionen und den europäischen laufen Verbindungslinien, die nicht leicht zu erkennen sind, dabei kam es oft zu Verwechselungen. Da Spiel geht über sieben Runden, jeweils am Anfang baut jeder Spieler auf seinen eigenen Tableau ein Gebäude. Das kostet nichts, um allerdings an hochwertigere heran zukommen, muss jeder auf seinem Industrie-Track sich fortentwickelt haben. Es gibt noch drei weitere Spalten für Bevölkerung, Gebäudenutzung und zum lagern von Besitzkarten. Die Aktionen der Spieler hängen von deren gewählten Gebäuden ab und ihrer Verfügbarkeit. Mit der Werft z.B. verfährt man folgend: eine Bevölkerung wird in das Werftgebäude gelegt und eine zweite Bevölkerung fährt auf Entdeckung. Fehlt Bevölkerung oder ist die Werft noch aus der letzten Runde belegt, fällt die Fahrt flach. Wir haben hier ein Optimierungsspiel vorliegen, wo jeder versucht, ein Maximum an Aktionen zu erreichen. Die Verflechtung der vier Entwicklungsstränge eines jeden Spielers ist sehr gelungen und schafft einen hohen Spielreiz. Es erinnert dabei etwas an das gute alte “Goa”. Die Abhängigkeiten voneinander zeigte die Spielentwicklung: René hatte viel Bevölkerung aber wenig Einsatzmöglichkeiten, da er in der Spalte, die es erlaubt viele Gebäude wieder leer zu räumen, kaum entwickelt war. Mir gelang an diesem Punkt ein guter Ausgleich, aber ich konnte nur die einfachsten Gebäude bauen. Manfred hatte tolle Gebäude, aber kaum Bevölkerung. Entdecken bedeutet, in einer Region auf einer Kette von Entdeckungsfeldern eine Bevölkerung zu platzieren und dafür einen Marker zu kassieren, welcher meine Entwicklung voran treibt oder eine weitere Aktion erlaubt. Sind alle Felder belegt, schnappt sich der Spieler mit dem größten Einsatz die Gouverneurskarte und damit einen satten Bonus. Fortan können alle in dieser Region vertretenen dort Karten kaufen, die auch wieder die Entwicklungen auf dem eigenen Tableau beschleunigen. Ich kann auch den anderen Spielern Städte und somit Siegpunkte wegnehmen oder auf die Sklavenbefreiung hinarbeiten, damit die Spieler die Sklavenkarten erwarben, diese verlieren. Dies ist kein leichtes Unterfangen und stößt rasch auf Widerstand. Nach sieben Runden zählt jeder seine Städte und gelungenen Verbindungen, den Wert der Karten und den Punktestand der Entwicklungsstränge. Im Lauf des Spiels ist selbiger nicht klar zu erkennen, was den Vorteil hat, es bleibt spannend, wer wohl führt. Der Nachteil liegt damit natürlich auf der Hand, der führende kann somit auch schwerlich gebremst werden. Soweit auseinander lagen wir am Schluss aber nicht: 2 x 47, 48, 50 und der Gewinner mit 54 Punkten etwas abgesetzt, hinterlassen nicht das Gefühl, etwas wesentlich falsch gespielt zu haben. Viele Elemente dieses Spiels sind bekannt, der Aufbaucharakter, der Wettlauf, Gebäude, die Grundregeln verändern, Entwicklungsskalen. Trotzdem alle mit Spielen dieser Art sehr verwöhnt sind, gefiel es allen Beteiligten sehr gut, die Ausstattung überzeugte. Neben den schon angemerkten schlecht erkennbaren Verbindungen leidet das Spiel in einem Punkt ebenfalls an Unübersichtlichkeit: Wer welche Gebäude mit welchen daraus resultierenden Möglichkeiten hat, ist kaum übersehbar. Es wirkt schlank, ohne Ausnahmeregeln mit schöner Dynamik und nur geringen Wartezeiten im Spiel.