Spielabend, 29.09.
An zwei Tischen parallel wurde “Magister Navis” von Lookout Games gespielt, ein Novum in unserer Runde. Bei Andreas waren drei Neulinge dabei, bei mir als einziger Lucas, in beiden Runden gewannen welche, die es nicht von letzter Woche kannten. Das sehe ich positiv, es ist also nicht so entscheidend, Vorkenntnisse zu haben, um in diesem Spiel zu bestehen. Die es kannten, probierten neue Gebäudekombinationen. Die Überraschung über die Platzierung war dann aber auch wieder ein großer Spannungsmoment, die Schere ging allerdings nicht weit auseinander, von 45 - 54 Punkten. Allen gefiel es gut, schönes Material und die Unübersichtlichkeit bot Gelegenheit die eigene selbstlose Ader zur Schau zu stellen: “… greif doch lieber dort den roten an als mich hier, dann gewinnst du noch einen Bonuspunkt…”
Drüben kam anschließend ein “Trans Amerika” von Winning Moves auf den Tisch, hüben ein “St. Petersburg” von Hans im Glück, welches zu den Lieblingsspielen von Manfred und mir gehört. Diese Mischung aus Aufbau- und Zockerspiel weiss immer wieder zu begeistern. St. Petersburg ist ein Kartenspiel für maximal vier Spieler, pro Runde ist es unterteilt in vier Phasen, am jeweiligen Ende der ersten drei Phasen gibt es eine Zwischenwertung, die zu Einnahmen und/oder Siegpunkten führt. Am Zug sein bedeutet, eine Karte aus der Auslage auf die Hand nehmen oder ihren Kaufpreis bezahlen und sie auf den Tisch legen. Haben alle gepasst, wird gewertet. Die erste Phase ist die Handwerkerphase, nur diese werden am Phasenende in Betracht gezogen und auch nur die, die offen auf dem Tisch liegen. Diese stellen für die gesamte Runde den Hauptteil der Einnahmenquellen dar. Es gibt verschiedene Handwerker, die unterschiedlich teuer beim Anwerben sind aber alle jeweils drei Rubel Einkommen bringen. Ein pfiffiges Rabattsystem zieht sich durch das Spiel, kaufe ich eine Karte, von deren Sorte ich schon eine habe, wird sie einen Rubel billiger. Dieses Verfahren ist additiv. Am Phasenbeginn werden die Lücken der acht Felder auf dem Brett nachgefüllt, es werden nicht immer alle Karten aus der Auslage genommen geschweigen denn gekauft. Die zweite, die Gebäudephase wertet selbige; sie bringen überwiegend Siegpunkte. Das billigste kostet fünf Rubel und erwirtschaftet einen Punkt, das teuerste kostet dreiundzwanzig Rubel und bringt sieben Punkte, also je teuerer desto mehr Punkte. In der dritten Phase tauchen die Adligen auf, sie bringen Geld wie auch Punkte und sind ganz am Schluß nochmal interessant, da gibt es einen Bonus an Siegpunkten, je mehr verschiedene jeder vor sich liegen hat, desto üppiger fällt dieser aus. In der letzten Phase kommen Karten ins Spiel, die als Austauschkarten für alle anderen Arten nutzbar sind. Bei den Adligen und Gebäuden kann beliebig getauscht werden, ich muss natürlich auch ein Gebäude zu liegen haben, um eine Austauschkarte Gebäude zu spielen, das alte wird schlicht abgerissen. Bei den Handwerkern muss die Reihenfolge schon genau passen, nur auf einen Schäfer darf die Weberei gelegt werden, usw. An dieser Stelle klärt sich, warum ich überhaupt einen teuren Handwerker nehmen sollte. Die Austauschkarten selbiger bringen einen besseren Vorteil als die der billigeren und es gibt auch mehr von ihnen. Wie schon erwähnt, werden die Lücken gefüllt. Wenn die nächste Phase beginnt, kann es durchaus passieren, dass keine Karte nachgelegt wird, da niemand eine nahm, die Ausschüttungen der ersten drei Phasen finden trotzdem statt. Am Ende der vierten Phase werden alle verbliebenen Karten in die darunter befindliche Reihe geschoben und damit für den nächsten Zug einen Rubel billiger, additiv zu anderen Rabatten, in der unteren Reihe liegende der letzten Runde fliegen raus. Das Spiel geht so lange, bis von einem der vier Stapel die letzte zum Nachfüllen genommen wurde, dann wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Es ist schnell spannend im Spiel, soll ich diese Karte wirklich kaufen…? Oder lieber auf der Hand parken…? Oder kommt danach eine viel bessere und ich war zum Glück sparsam und kann sie sofort gierig kaufen…? An dieser Stelle greift das schöne Zockerelement. Das Handkartenlimit liegt bei drei Karten, ich kann also nicht kiloweise bunkern, zumal am Spielende jede Karte auf der Hand fünf Minuspunkte bedeutet, das ist nicht wenig in diesem Spiel und sollte tunlichst vermieden werden. St. Petersburg ist kurzweilig und dauert rund sechzig Minuten. Nicht verschweigen will ich, dass eine gewisse Spielerfahrung schon Vorteile gegenüber Unkundigen hat. Bis auf Ralf gefiel es allen gut, wir sollten es doch häufiger spielen…