Und die Nominierten sind…?
Am 31.05. ist es endlich soweit. Das Rätselraten, wer den heiß ersehnten Titel „Spiel des Jahres“ auf seinem Spielecover verewigen darf, geht in die zweite Runde. Aber dann im überschaubaren Rahmen, da die Jury ihre 5(?) Nominierten der Öffentlichkeit preisgeben werden.
Ich möchte die Gelegenheit kurz vor diesem Termin nutzen, um eine Voraussage zu wagen, welche fünf Spiele dies sein werden und wo sie in meiner persönlichen Reihenfolge liegen. Auf Platz 1 mit weitem Vorsprung….
FRESKO von Queen Games
Dieses Spiel überzeugt durch ein erfrischend anderes Szenario, was von 2-4 Spielern in 60-90 Minuten gespielt wird. Worum es geht? Lassen wir den Maler Giuseppe zu Wort kommen:
„Buongiorno! Sie sind auch schon so früh aufgestanden. Sie haben auch einen Auftrag vom Bischof die Decke des Doms zu streichen, so, so! Si, frühes Aufstehen sichert die besten Farbtöpfe auf dem Markt, aber dann wollen diese Halsabschneider noch den vollen Preis. Doch wenn ich schon um 6:00 Uhr wachwerde, ist meine Laune dermaßen schlecht, dass ich meine Untergebenen vergraule. Da bleibt manchmal glatt einer zu Hause. Und dann sind da nur noch vier Leute, mit denen ich an diesem Tag auskommen muss. Aber schau dir Leonardo, diesen faulen Hund, an. Der steht nie vor 8:00 Uhr auf, holt sich billig die Reste vom Markt, hat so gute Laune, dass ihm immer sechs Leute zur Seite stehen, aber wundert sich, warum immer die schönsten Ecken an der Decke schon gemalt wurden. Vielleicht sollte er denn doch mal früher aufstehen? Und du musst an so viel denken. Ohne soldi kannst du nix einkaufen, also malst du zwischendurch ein paar Portraits, dann möchte der Bischof schöne Farben, die musst du mischen. Also teilt die Arbeit geschickt unter Euren Leuten auf. Und wenn der Duomo endlich in den schönsten Farben erstrahlt, seht Ihr, wer die beste Arbeit geleistet hat. Aber was stehe ich hier großartig rum, es ist noch so viel zu tun. Arrivederci!“
Wir werden also mit einer Spielfigur entscheiden, wann wir aufstehen (6:00 – 9:00 Uhr), dies regelt die Spielreihenfolge für die komplette Runde (Frühaufsteher sind immer Erster). Mit dieser Entscheidung werden wir eine Spielfigur auf, ich nenne es mal Launometer, bewegen. Dies kann zum Abzug oder Zuzug einer Spielfigur führen, mit denen wir dann, gleichzeitig und geheim, auf einem Tableau unseren weiteren Zug planen. Auf diesem Tableau gibt es die Aktionen Marktbesuch, Dom bemalen, Portrait malen, Farben mischen und Laune verbessern. Stelle ich mehrere Figuren auf eine Aktion, maximal 3, dann kann ich diese Aktion auch öfter nutzen.
Und wem das Grundspiel noch nicht reicht, der bekommt noch drei Varianten dazu.
Platz 2 wäre….
SPEICHERSTADT von eggertspiele
Dieses Spiel hat HAVANNA (ebenfalls eggertspiele) aus der Liste gedrängt, da es mit leichteren Regeln die gleiche Spannung erzeugt. Wie der Name schon sagt, befinden wir uns in der Speicherstadt in Hamburg. Dort versuchen wir uns Karten zu ersteigern, um damit zu Siegpunkten zu kommen. Vorher gilt es allerdings, einen pfiffigen Bietmechanismus zu überstehen. Jeder wird abwechselnd eine Spielfigur an die Karte stellen, die er haben möchte, steht dort schon jemand, muss man sich hinten anstellen. Wenn alle Figuren eingesetzt wurden, wird an der ersten Karte der Besitzer der Spielfigur, die dort als Erstes ansteht, gefragt ob er diese Karte für Preis X bereit ist zu kaufen. Der Preis resultiert aus der Anzahl der Figuren, die an dieser Karte anstehen. Stimmt man zu, zahlt man und kassiert die Karte, wenn nicht, geht man und der Nächste in der Reihe wird gefragt. Jetzt kostet die Karte natürlich einen Taler weniger, weil ja weniger Figuren anstehen. So werden nach und nach die Karten ihre Besitzer finden. Im Kartenstapel, der je nach Jahreszeit unterschiedlich sortiert ist, finden wir Aufträge (brauchen Waren für Siegpunkte), Schiffe (bringen drei zufällig bestimmte Waren), Händler (kaufen Waren für Geld) und Feuerwehrmänner.
Diese benötigt man, um dem Feuer zu begegnen, das immer stärker werdend über die Speicherstadt hereinbricht.
Ein schnelles Spiel (30-60 Minuten) für 2-5 Spieler mit einer sehr gesunden Mischung aus Glück und Taktik.
Platz 3 ist eine schwere Entscheidung. Da kämen drei Kandidaten in die engere Wahl, VASCO DA GAMA, MAGISTER NAVIS oder DIE TORE DER WELT.
Durchgesetzt hat sich DIE TORE DER WELT, da dieses Spiel am meisten Atmosphäre erzeugt. An dieser Stelle möchte ich meinen Artikel aus der FAIRPLAY 90 sprechen lassen:
„Liebe Brüder und Schwestern, ich begrüße euch in diesen heiligen Hallen des Spielens, um ein neues Werk aus dem Hause Kosmos kennenzulernen. Wir erinnern uns, 2006 erschien ein, zu seiner Zeit, großartiges Spiel mit dem Namen DIE SÄULEN DER ERDE, inspiriert nach dem gleichnamigen Buch aus der Feder Ken Folletts. Die Schachtel war ein Werk der Täuschung, wollte sie uns doch weismachen, dass jener Buchautor auch der Spieleerfinder wäre, aber weit gefehlt. Wir haben hier kein neues Multitalent entdeckt, sondern die wahren Autoren des Spiels wurden dezent in den Hintergrund gedrängt, ihre Namen: Michael Rieneck und Stefan Stadler. Nun, drei Jahre später, wird dieser Weg der Täuschung schon wieder begangen. DIE TORE DER WELT, das Nachfolgewerk von Ken Follett, wird auch verspielt und wieder scheint der Buchautor der Spieleerfinder zu sein. Doch wir sind gefeit vor solch‘ arglistigen Täuschungen und wissen, dass die wahren Konstrukteure, die wieder im Hintergrund verweilen, dieselben sind wie die Erschaffer der SÄULEN. Ich erzähle euch diese Geschichte, weil ich zeigen möchte, dass der erste Eindruck manchmal täuschen kann. Ich gestehe, dass ich mich dieser Verfehlung ebenso schuldig machte, als ich das erste Mal ein Bild des Spielplans von DIE TORE DER WELT erblickte. Er sah dem SÄULENplan sehr ähnlich. Es waren Holzklötze darauf zu sehen, die anscheinend Holz und Stein darstellen sollte. Es gab Geld (dieses hat merkwürdigerweise keine Währung). Diverse Karten waren zu sehen, mit Ereignissen darauf. Ein Bogen war auf dem Spielplan aufgedruckt, auf der anscheinend Spielfiguren irgendetwas geschehen lassen. Kurz gesagt, der erste Blick verführte zu dem Eindruck „kenne ich alles schon“ und „brauche ich nicht noch mal“. Doch es blieb ein Rest Unzufriedenheit und –glaube. Würde ein Erschaffer einer neuen Spielwelt eine alte Welt einfach kopieren? „Nein!“, sagte ich, „das kann, das darf nicht sein!“ So widmete ich einen Teil meiner Zeit, um diese Frage zu klären. Und liebe Gemeinde, ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Sonst hätte ich nie festgestellt, dass ein Mensch sich so irren kann. Doch bevor ich von meinem Irrtum berichten kann, werde ich euch kurz erläutern, worum es in diesem Werk geht. Es wird Euch nicht allzu sehr überraschen, wenn es um die meisten Siegpunkte geht. Diese könnt Ihr über vielerlei Wege erreichen. Bauen ist nur eine Möglichkeit, Kranke heilen, eine andere. Ereignisse und der Gunstbogen können ebenfalls für Siegpunkte sorgen. Eine Runde beginnt mit einem dieser unvorsehbaren Schicksalsschlägen, die von vielen Menschen in einem solchem Spiel eigentlich nicht erwünscht sind. Diese stellen eher ein Hindernis, denn ein Hilfsmittel dar, so heißt es vielerorts. Doch hier sind sie eher die Würze im Spielgeschehen, da diese jedem Spiel einen anderen Verlauf schenken (es werden immer nur 24 von 44 Ereignissen pro Partie benutzt), der hoffentlich durch geschickte Planung genutzt wird. Sie können dafür sorgen, dass neue Bauvorhaben in das Spiel kommen (ich hatte mal eine Partie, in der kein neues Bauvorhaben ins Spiel kam, so dass wir mit den beiden Grundbauvorhaben auskommen mussten. Da musste man sich etwas anderes einfallen lassen, um an die Siegpunkte zu kommen), oder dass wir verschiedene Spielelemente gegen Siegpunkte eintauschen können, aber es gibt auch schlechte Ereignisse. Eventuell bekommen wir weniger Geld für unsere Verkäufe oder nutzen einer Aktionskarte kostet plötzlich Geld. Doch damit nicht genug. Nun müsst Ihr euch entscheiden, welches Einkommen der Ereigniskarte Ihr selbst erhaltet und welches Ihr den anderen Mitspieler zukommen lasst. Ihr wisst ja, „Geben ist seliger denn Nehmen“, vielleicht, eventuell. Dann könntet Ihr noch eine Gunst des Gunstbogens bekommen. Nach diesen diversen Entscheidungen, die der aktiven Spieler zu treffen hat, wird sich jeder entscheiden, welche Aktionskarte er in dieser Runde nutzen möchte und welche Aktion er nicht nutzen möchte. Nun, liebe Anwesende, sehe ich euch schon an den Fingernägeln knabbern. Ihr braucht Nahrung, müsst beten gehen, wollt Sachen verkaufen, Bauwerke fertigstellen, spenden, Häuser bauen etc. Ihr habt 12 Aktionen zur Auswahl, aber nur 6 werdet Ihr pro Kapitel (=6 Runden) nutzen können, also entscheidet euch weise. Am Ende jedes Kapitels werdet Ihr eure Abgaben leisten müssen. Seid Ihr fromm genug und glaubt Ihr eurem Spielleiter, was er euch an Regeln weitergibt? Dies reicht leider nicht aus (obwohl Ihr sicher meinen Segen bekommt für soviel Leichtgläubigkeit), denn Ihr solltet noch 2 Frömmigkeitsmarker haben. Kennt Ihr einen guten Pizzaservice und habt seine Telefonnummer parat? Auch dies wird Euch nichts nutzen. 2 Korn-Spielsteine sind da durchaus hilfreicher. Ein prall gefülltes Talersäcklein nennt Ihr Euer eigen (Ihr Glücklichen), aber dies bringt euch alles nichts, wenn Ihr nicht 2-5 Gelder beiseitegelegt habt (Würfelwurf entscheidet). Fehlt Ihr, wird dies mit Punktabzug bestraft und Ihr habt mit einer Strafe zu rechnen, derer Ihr euch aber mit einem Nachweis, dass Ihr dem König gegenüber loyal seid, entziehen könnt. Nach dem zweiten Kapitel wird die Pest in Kingsbridge ausbrechen, doch mit den nötigen medizinischen Kenntnissen werdet Ihr dieser Krankheit schon beikommen, Belohnungen der dankbaren Dorfbewohner locken.
Nun, höret und staunet, dieses Spiel hat mich überzeugt. Was gebe ich euch, was nehm‘ ich mir, wo kann ich schneller sein, das sind Entscheidungen, mit denen Ihr euch vergnügen werdet, auch zu zweit. Nichts ist übriggeblieben von der Knobelei für mehrere Personen, genannt DIE SÄULEN DER ERDE. Dies alles wirkt in sich geschlossen und hat soviel Atmosphäre, dass ich sogleich losziehe und mir das Buch besorge.“
Den vierten Platz wird dann wohl SEELAND von Ravensburger einnehmen.

Nun begeben wir uns nach Holland, um Mühlen zu bauen und Blumen anzupflanzen. Über einen Entscheidungskreis, der entfernt an IMPERIAL oder HAMBURGUM erinnert, werden wir an die Plättchen gelangen, die wir auf dem Spielplan anlegen. Ist eine unserer Mühlen komplett mit Blumen, Mühlen und anderen Sachen umschlossen, kommt es zur Wertung. Die Pflanzen bringen nur dann Punkte, wenn ich verschiedene Arten angebaut habe, Monokulturen sind verpönt. Das Spiel punktet mit zwei Varianten, die für Glückskäfer, wo auf dem Spielplan diverse Plättchen noch verdeckt liegen, aber auf der Rückseite des gleichen Plans ist die „Schach“variante, wo die Felder schon eingezeichnet sind und damit einen planbareren Spielverlauf garantieren. 2-4 Spieler sind gut 60 Minuten beschäftigt und hat sicher einen schnell erlernbaren Spielverlauf, aber mir ist es zu wenig.
Und der Letzte im Bunde ist JÄGER UND SAMMLER von Amigo.

Dieses Spiel hat es in diese Auswahl geschafft, weil es am ehesten dem „klassischen“ Spiel des Jahres entspricht.
Die 8-99 Jährigen können an einem Tisch sitzen, das Spiel auspacken und loslegen. Die Steinzeit ist unser Thema. Wir beginnen im Sommer und werden Plättchen nach dem Motto „Viel bringt viel“ einsammeln. Dabei ist zu beachten, ich habe zwei Bewegungspunkte zur Verfügung, die Plättchen, die ich verlasse, sammel ich ein, ich darf nur über Plättchen ziehen. Wenn sich keine Spielfigur mehr bewegen kann, ist die Sommerrunde beendet und wir starten die Winterrunde, neue Plättchen, neues Glück (stimmt nicht ganz, die Plättchen liegen ja alle offen) und weiter geht’s. Allerdings sollten Sie ein Auge auf die Waffen haben. Diese benötigen Sie für die Mammutjagd (nein, liebe Kinder, Manni wird nicht gejagt, „Ice Age“ muss ja weitergehen), allerdings gibt es viele Waffen im Sommer und viele Mammuts im Winter, also auf Vorrat spielen. Im Sommer sollten Sie auch im Winterlager eine Vorratskiste ablegen, denn die Anzahl der abgeworfenen Kisten regelt die Anzahl der Spielfiguren im Winter. Das war es schon. 2-4 Spieler werden 30-60 Minuten spielen, werden es in die Spielekammer packen und dann vergessen, oder auch nicht.
Na gut, nun werde ich am Montag entweder der schlechteste Spielekenner des Monats sein oder ich sitze vielleicht nächstes Jahr in der Jury, wir werden sehen.







