Spielabend, 24.04.
Mein Vorschlag, den alten Klassiker “Euphrat und Tigris” zu spielen, löste verhaltenes Schweigen aus. Ich war überrascht! Nur Gerhard war begeistert und schließlich erbarmte sich René noch unser. Wir trollten uns an den kleinen Tisch. Das Spiel erschien 1997 bei Hans im Glück und Reiner Knizia zeichnet sich dafür verantwortlich. Das Spielfeld zeigt eine quadratische Rasterstruktur mit zwei Flussläufen.Sehr abstrakt spielen wir das Werden und Vergehen der alten mesopotamischen Reiche nach. Auf vorgegebenen Feldern werden Tempel und Schätze platziert. Bin ich am Zug, kann ich einen meiner vier Anführer ins Spiel bringen oder verschieben, in jedem Fall müssen sie neben einem Tempel liegen. Lege ich eines meiner sechs zufällig gezogenen Kärtchen in gleicher Farbe, wie die meines Anführers daneben, dann kassiere ich einen Siegpunkt in dieser Farbe. Gelingt es mir, das vierte gleichfarbige zu einem großen Quadrat zu legen, dann wird ein Monument auf diese vier Kärtchen gelegt und beschert dauerhaft zusätzliche Punkte. Das schafft natürlich Neid und Missgunst. Die Anführer der anderen Spieler können vertrieben werden. Hierfür muss an einem Tempel Platz in diesem Reich sein. Von meinen Kärtchen hinter dem Wandschirm zücke ich eine Anzahl hervor, die mir groß genug erscheint, den anderen zu verjagen. Dieser Spieler kann das Ansinnen abwehren, in dem er auf selbige Summe an gespielten Tempeln kommt. Da ist natürlich viel Zockerei im Spiel. Die Monumente geben immer in zwei Farben Bonuspunkte. Ich sah Gerhards Vorbereitungen in einer Ecke des Spielbretts und die Notwendigkeit, ein blaues Monument zu bauen, lag auf der Hand. So schickte ich also meinen blauen Anführer, als das er den guten Gerhard beraten und unterstützen möge in friedvoller Absicht in dieses Reich. Das nebenbei der blaue Bonuspunkt dann an mich abfallen würde in Zukunft, nun ja, nun schön, da sage ich nicht nein… Dem Gerhard schmeckte das gar nicht und so lies er den halbfertigen Baugrund über viele Runden verfallen und wurde nur noch von dem Gedanken getrieben, mich harmlosen blauen Anführer zu vertreiben, was ihm auch gelang. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und so gab es lange Zeit ein Hin und Her, wer denn nun bleiben dürfe. Am Ende wurde ich vertrieben und musste neue üble Pläne schmieden… Der Versuch, René gegen Gerhard aufzuwiegeln, da dieser doch jetzt in Bonuspunkten schwimmen würde, stießen bei René auf taube Ohren, der Schuft kochte sein eigenes Süppchen… Nach und nach hatte jeder in seinem Reich ein Monument gebaut. Viel Dynamik kommt ins Spiel, wenn einer ein Kärtchen so legt, das zwei Reiche verschmelzen. Dann kann es mehrere Konflikte kurz hintereinander geben. Wichtiges Element dabei ist, dass der Initiator die Reihenfolge bestimmt. So streckte ich meine gierigen Finger nach René´s Land aus und konnte mit einer bösen Finte ihm drei seiner Anführer aus dem Lande jagen, wobei allerdings Gerhard einen Reibach von etlichen Bonuspunkten machte, das lies sich an der Stelle leider nicht verhindern. René leckte seine Wunden und jammerte, warum er sich überhaupt für dieses blöde Spiel hergab. Gerhard und ich beharkten uns hartnäckig, wobei wir es uns auch nicht nehmen ließen, mit bestimmten Zügen dem anderen auch Punktegeschenke zu machen. Am Ende lüftet jeder seine gesammelten Punkte und nur die Farbe, von welcher die wenigsten Punkte gesammelt wurden, landet in der Schlußwertung. Dieses Schema taucht bei Knizia´s späterem “Einfach Genial” wieder auf. Ich erwartete, dass Gerhard mit hohem Abstand führen würde und René ziemlich abgeschlagen sei, aber gefehlt, Gerhard und ich hatten gleichviel Punkte und René lag nur drei Punkte hinter uns, welch Überraschung!
Danach spielten wir noch eine Handvoll Züge des genialen “Mage Knight” an, ein komplexes und sehr ausgefuchstes Fantasyspiel. Wesentliche Elemente des innovativen Systems von “Dominion” wurden mit einem Brettspiel kombiniert. Es gilt aber viel zu beachten und so ist der Einstieg ersteinmal nicht leicht. Zu zweit eignet es sich hervorragend, wird mit jedem weiteren Mitspieler viel Zeit benötigen, wenn nicht alle gut geübt sind. Je nach Szenario sind drei bis fünf Stunden Spielzeit nötig. Ein sehr schönes Spiel, um 22.00 Uhr es anzufangen war aber leicht verwegen…
Am anderen Tisch spielten Andreas, Fabian, Lucas und Manfred ein “Eclipse”. Alle zogen sich Aliens und versuchten mit ihren Spezifikationen den anderen das Leben schwer zu machen. Die Wellen schlugen hoch bei so mancher Würfelorgie genannten Raumschlacht! Als der Rauch sich verzog, ging Manfred als Sieger hervor!