Spielabend, 11.10.
Eine Neuheit von Lookout lag auf dem Tisch: “Feudalherren”. Jeder baut sein mittelalterliches Reich auf, dafür bietet ein Rasterplan mit 49 Feldern viel Platz. Bei jedem liegen die Berge und der Fluss anders, das hat aber keinen nennenswerten Einfluss auf das Spielgeschehen. Bewohner, wie Zimmermann, Schmied oder Alchemist sorgen für neue Rohstoffe oder Siegpunkte. Gebäude, wie Mine, Brauerei oder Schrein ebenso. Manche erbringen am Fluss einen Bonus, andere können nur in den Bergen oder der Burg platziert werden. Die Einkünfte gibt es aber nicht automatisch, das Zielfeld wird mit zwei achtseitigen Würfeln bestimmt und alle angrenzenden Felder werfen etwas ab. Fünf verschiedene Rohstoffe gibt es, diese können auch 4:1 getauscht werden. Manche der Bewohner kosten nichts, die meisten, wie die Gebäude auch, benötigen welche. Eine Ereigniskarte lässt den König zum Krieg aufrufen oder ein Turnier veranstalten. Wenn er seinen Bruder besuchte, atmeten wir alle auf, dann passierte nix… Nachbarns angreifen oder einen imaginären Gegner, Sabotage betreiben oder die Königin verführen, das sind Aktionsmöglichkeiten des aktiven Spielers. Es lässt sich schwer ein klares Fazit ziehen. Natürlich haben wir uns amüsiert, aber von Planung oder strategischen Entscheidungen konnte keine Rede sein. Es gibt keine ausgleichenden Momente im Spiel, aber das verhehlt es auch nicht, “herrlich ungerecht” verkündet die Schachtel. Und so kam es, wie es kommen musste: Glücksbärchi Gerhard machte jede Runde fette Beute und gewann haushoch mit den für fünf Spielern nötigen dreizehn Siegpunkten, während Manfred es mit Ach und Krach schaffte, von null auf den einen Punkt zu kommen, mit welchem jeder am Anfang startete. Von den kargen Militäreinheiten bekam Gerhard auch immer welche ab, so dass ein Angriff auf ihn wenig Aussicht auf Erfolg hatte. Es hat seinen Unterhaltungswert, ohne Zweifel, aber vom Spielablauf wirkt es antiquiert. In den achtziger Jahren wäre es sicher ein Superspiel gewesen. Da sind wir von den eigenen Einflußmöglichkeiten mittlerweile anderes gewöhnt und damit sicher auch verwöhnt, “Burgen von Burgund” oder “Troyes” will ich da nennen, und selbst Würfelspiele mit ähnlich geringen Einfluss, wie “Dice Town”, haben dann wenigstens noch ein Zockerelement, dass es spannend macht. Feudalherren ist Basic meint Andreas, so Zen-mässig, du würfelst und das wars, alles andere ist weggelassen, wer´s mag…
Danach spielten wir die “Scheibenwelt” von Martin Wallace, erschienen bei Kosmos. Unsere Erwartungen waren nicht sehr hoch, fast alle Titel, die von ihm bei Kosmos erschienen, hatten keine Besonderheiten, die sie oft spielen oder in Erinnerung behielten ließen. Die Scheibenwelt ist anders. Sie spielt sich sehr witzig, auch wenn es völlig chaotisch abläuft und ebenfalls ein Schweineglücksspiel ist. Es ist eine gute Dynamik im Spiel, es läuft rund, es hat jede Menge Möglichkeiten zum Stänkern. Jeder Spieler hat eine geheime Aufgabe, um das Spiel zu gewinnen. Das machte schon einiges vom Spielreiz aus, ständig den anderen diese oder jene Aufgabenstellung zu unterstellen, um auf ihre Nähe zum Sieg hinzuweisen und von sich selbst abzulenken. An anderer Stelle mehr vom Ablauf, uns gefiel es allen sehr gut, das Material ist stimmig und schön aufgemacht!
“Der Hobbit”, von Reiner Knizia, auch bei Kosmos erschienen, enttäuschte uns. Die Ausstattung ist hübsch, aber der Ablauf hat uns nicht vom Hocker gehauen. Der Bietmechanismus mit den Handkarten in 6-nimmt Manier war noch das reizvollste, das Rest wirkte belanglos.