“Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett”
Dieser Filmtitel kommt uns älteren Semestern in den Kopf, wenn man mal die Neuheiten des Jahres Revue passieren lässt, wobei ein Spieljahr natürlich von Oktober 09 bis Oktober 10 geht. Da tauchen doch so einige Krimispiele auf. Da haben wir MR. JACK IN NEW YORK, MYSTERY EXPRESS, MISTER X, KUNSTRAUB und NICHT LUSTIG-LEMMINGMAFIA.
Beschäftigen möchte ich mich aber mit aktuelleren Spielen, SAUSTALL und MYSTERY RUMMY 3: DR. JEKYLL & MR. HYDE.

SAUSTALL entführt uns ins ländliche Allgäu zu Kommissar Kluftinger, einer angeblich bekannteren Romangestalt (4 Bücher gibt es). Wir haben in unserem Laden schon echte Krimifreunde, aber niemand kannte ihn, scheint doch eher ein süddeutsches Phänomen zu sein. Aber egal, so lange das Spiel funktioniert. SAUSTALL erinnert vom Aufbau ein wenig an das klassische CLUEDO. Hermann Aigner ist im Saustall von einem Käselaib erschlagen worden und es gibt 8 Verdächtige, die als Täter in Frage kommen. Am Tatort sind auch 4-5 Beweisstücke gefunden worden, abhängig von der Spielerzahl. Nun versuchen 2-4 Kommissare den Täter zu überführen, indem sie die Alibis und Zeugenaussagen prüfen, einen Blick auf die Beweisstücke im Labor oder bei den Kollegen werfen. Dies geschieht durch Ausspielen von Karten, die einem genau diese Aktionen gestatten. Bis hierhin ist alles ganz einfach, aber nun folgt der dann doch recht schräge Spielgedanke. Wir werden am Anfang des Spiels einen Anfangsverdacht basteln, jeder seinen eigenen. Dies kann ein kompletter sein, also ich entscheide mich für die Person, das Geschlecht und Motiv des Täters, ich kann es aber auch etwas ungenauer gestalten, indem ich mich für drei Personen entscheide, einer davon sollte es dann gewesen sein. Dann sind wir etwas übermotivierte Kommissare, die versuchen, den Fall so hinzubiegen, dass unser Anfangsverdacht bestätigt wird. Jetzt muss ich nur noch die Zeugenaussagen und die Alibis der Verdächtigen in Widerspruch bringen. Wie gelingt das? Wenn ein Bewohner dieses Dorfes per Karte eine Zeugenaussage macht, dass er einen Mann gesehen hat und man dann per Alibikarte zu dieser Aussage eine Frau legt, haben Sie immerhin schon einen Verdächtigen, da sich Zeuge und Alibi widersprechen.

Und wenn dann das Beweisstück im Labor ganz oben auf dem Stapel der Beweisstücke liegt, ist der Fall schon gelaufen. Allerdings haben die Mitspieler durch Übergabe von Fettnäpfen die Möglichkeit einzugreifen und Ihnen Ihre ausgespielte Karte abspenstig zu machen und die Beweisstücke werden im Laborstapel wandern. Jeder Fettnapf kostet am Ende zwei Siegpunkte. Erschwert wird die ganze Sache auch noch da durch, dass man sich jede Runde für ein oder zwei Verdachtselemente entscheiden muss, die man aus dem Spiel nimmt.

Falls ich also feststelle, dass mein Anfangsverdacht nicht hinhaut, habe ich zwar während des Spiels noch die Möglichkeit diesen zu ändern, aber je später mir dies auffällt, umso weniger Elemente dies zu tun, habe ich zur Verfügung. Die ganz hohe Kunst ist es übrigens, es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Ja, diese Möglichkeit gibt es auch, aber das so hinzubiegen, ist extrem schwer. Wenn man sich an den schrägen Ablauf gewöhnt, ist es ein echtes Fun-Spiel. Einen kleinen Haken hat es allerdings. Wenn sich alle auf dasselbe Feindbild einschießen, ist der Spaß etwas raus, da es letzt endlich nur um die Frage geht, wer wird am schnellsten seine Fettnäpfchen los. Aber da die Spieldauer bei rund 30-60 Minuten liegt, wenn alle denselben Täter haben, geht es sogar etwas schneller, beginnen Sie halt noch mal.

DR. JEKYLL UND MR. HYDE ist der dritte Teil der MYSTERY RUMMY-Serie, der gerade ganz frisch erschienen ist. Mit JACK THE RIPPER fing alles an. Der erste Teil konnte schon überzeugen, wenn man sich die Regel erarbeitete, der zweite Teil, DOPPELMORD IN DER RUE MORGUE, hat mich nicht so überzeugt, da zu wenig zwischen den Spielern passiert, aber vielleicht habe ich auch nur nicht verstanden, was man mit der Fütterung des Orang-Utans anrichten kann und es gehört nun mal zur Sammlung. Den fünften Teil gibt es übrigens auch schon, namens BONNIE AND CLYDE. Dieser ist allerdings bei Abacus erschienen und hat ein anderes Outfit, aber die Jagd nach dem Räuberpärchen ist gut gelungen, ist aber sicher auch das Spiel mit dem höchsten Glücksfaktor. „Das haben se ja schön hingekriegt. Und wie sieht das jetzt aus. Muss eins ja wieder ganz anders aussehen, klasse!“ Entschuldigung, da ist wohl der Hyde mit mir durchgegangen, womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären. „Nun sag doch endlich, dass du mich am besten findest und dann haben wir die ganze Geschichte hier hinter uns und können endlich weiterspielen!“ Anscheinend habe ich mich doch etwas zu lange mit diesem Spiel beschäftigt, ich höre schon Stimmen. Der Name MYSTERY RUMMY deutet eigentlich auf den Vater des Spiels hin, das klassische Kartenspiel ROMMÉ. „Das wissen doch alle, die Teil 1,2 und 5 gespielt haben. Komm auf den Punkt.“ Aber es gibt durchaus Leser, die die anderen Teile noch nicht kennen. Huch, jetzt streite ich schon mit mir selbst. Also, sie ziehen eine Karte, versuchen eine Meldung (mindestens drei Karten in einer Farbe) oder eine Ergänzung (eine oder mehrere Karten von schon ausliegenden Farben) auszuspielen und müssen eine Karte abwerfen. Ziel ist es, als Erster alle seine Handkarten loszuwerden, Karten auf dem Tisch bringen Pluspunkte, in der Hand Minuspunkte. „Laaangweilig!!“ Nur nicht ablenken lassen. Leider ist das Ausspielen der Karten nicht ganz so einfach. Die Karten sind mit einem Buchstaben markiert, der angibt, dass diese nur gemeldet werden können, wenn die entsprechende Person zu sehen ist, J für Jekyll, H für Hyde. Am Anfang ist Jekyll zu sehen. Durch die Karte „Trank“ kann die Person geändert werden. „Jaa, gib mir endlich den Trank, damit dieser gut erzogene, allseits beliebte Schnösel endlich verschwindet und das wahre Ich zum Vorschein kommt, hä,hä,hä, der Gewinnertyp!“ Durch nochmaliges Ausspielen kann dies wieder geändert werden. „Neiiiinn!“ Karten, die am Ende einer Runde von der sichtbaren Persönlichkeit auf dem Tisch liegen, bringen doppelt Punkte. Schaffe ich es sogar, dass alle meine ausliegenden Karten zur Person passen, bekomme nur ich Punkte. „Oder ich!!“ Jedenfalls ist es das Spiel aus der Serie, wo ich den meisten Einfluss auf den Ausgang einer Runde habe. Meine Anfangsbefürchtung, dass man allzu sehr von den fünf Trankkarten abhängig wäre, bestätigte sich nicht, da es auch Karten gibt, mit denen ich Karten aus dem Abwurfstapel holen kann. Rundum gelungen, wenn auch nur zu zweit spielbar. „Naa, habe ich es nicht gleich gesagt. Wir hätten uns das ganze Gerede sparen können und endlich weiterspielen können. Mach Schluss und komm endlich!“ Du kannst schon mal vorgehen, ich komme gleich nach.
Und wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen ein mit sich selbst streitender Verkäufer auffällt, dann hatte dieser wohl eine runde MYSTERY RUMMY zu viel.























































