Spielabend, 06.04.

8. April 2010

Osterdienstag ist die Runde traditionell gering besucht, viele sind noch verreist oder vom Ostermontagstreff ausgelaugt. Am Montag wurde “1835″, ein komplexes Eisenbahnwirtschaftsspiel auf´s Schild gehoben. Zu viert waren wir schon in acht Stunden durch, obwohl Spiele der 18xx – Reihe selten bei uns gespielt werden.

Kurzerhand fiel die Entscheidung auf  “Imperial”. Es handelt sich auf dem ersten Blick um ein Eroberungsspiel ohne Glücksmoment, auf dem zweiten um ein vielseitiges Wirtschaftsspiel. Zu sechst in maximaler Besetzung für das Spiel, mussten Carl und Vera die Regeln erklärt werden, die anderen kannten es schon. Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Spieler bestimmen die Geschicke von sechs Großmächten und dies unabhängig von der Mitspielerzahl. Dieses Bestimmen geschieht nicht zwangsläufig das ganze Spiel über vom selben Spieler, sondern wechselt, durchaus auch häufiger und macht einen wesentlichen Aspekt der Spieldynamik aus. Die Spieler sind Kreditgeber, wer einem Land den größten Kredit gibt, lenkt die Politik solange, bis ein anderer einen größeren Kredit gibt. In dieser Partie wechselte die Führung von Österreich-Ungarn und Frankreich gar nicht, von Deutschland, Großbritanien und Russland einmal und von Italien zweimal. Abwechselnd sind die Länder am Zug und können aus verschiedenen Aktionen wählen: Dem Bau einer Rüstungsfabrik, dem Aufstellen neuer Land- oder Seestreitkräfte, pro Fabrik eine, die Bewegung derselbigen. Verlassen die Armeen ihr Heimatland, ziehen sie höchstens ein Feld, allerdings sind über Schiffsketten Landeinheiten auch weiter zu transportieren. Treffen sie auf andere Streitkräfte, findet auf Wunsch ein eins-zu-eins Schlagabtausch statt. Die vierte Aktionsmöglichkeit ist der Erwerb von maximal drei Streitkräften auf dem Weltmarkt. Sämtliche Ein- und Ausgaben der Staaten werden aus deren eigenen Staatskassen getätigt, die sich durch die Kredite der Spieler und durch Steuereinnahmen füllen, welches die fünfte Aktion ist. Nach einer einfachen Formel werden die Fabrikwerte des Landes und deren Eroberungen addiert und davon die aktuelle Zahl der Streitkräfte abgezogen, der Rest wandert in den Staatssack. Es passiert aber noch etwas anderes: Der Bruttowert dient als Grundlage nach der sich der Siegpunktmultiplikator für die Kreditpapiere fortentwickelt. Auf dieser Tabelle soll natürlich das aktuell eigene Land stets einen kräftigen Sprung nach vorne machen. Die letzte Möglichkeit löst auch zwei Aktionen aus, zum einen erhalten alle Kreditgeber des aktiven Landes Zinsen für ihre Kredite und zum anderen geht eine Art Wanderpokal zum nächsten Spieler. Der letzte Pokalinhaber darf einen neuen Kredit an ein beliebiges Land vergeben. Diese Gelegenheit gibt es nicht oft im Spiel und so will es gut überlegt sein, wo das Geld hin fließen soll. In diesem Moment kann die Führung eines Landes wechseln.

Die genannten sechs Aktionsmöglichkeiten sind nicht immer alle greifbar, auf dem “Mac Gerdts Rondell”, einem Kreis unterteilt in acht Feldern, bewegt sich pro Land ein Spielstein in eine Richtung maximal sechs Felder in einem Zug, damit bestimmte Aktionen nicht sofort wieder ausgeführt werden können.

Im letzten Drittel des Spiel geht es kaum noch um Eroberungen, sondern nur noch darum, den Wert der Länder, von denen man die Mehrheit hält, in der Wertigkeit nach oben zu treiben. Das kann in einer sehr ausgewogenen Partie hochnotspannend sein, in der hiesigen war das Papier von Österreich-Ungarn außer Konkurrenz. Christian, der alte Hase führte es sehr geschickt, wobei Neuling Vera ihm nicht wirklich etwas wegnehmen wollte und Sturkopf Gerhard lieber den Engländer (mich),von welchem er Aktien hielt, mit seinen italienischen Schiffen angriff,  anstatt den führenden Österreicher zu bremsen, von dem er zu diesem Zeitpunkt nichts hielt. Gerhard erwies sich in diesem Moment als beratungsresistent und hatte seine eigenen Pläne, die ihm schließlich auch den zweiten Platz einbrachten… Wie sich unschwer heraus lesen lässt, erfüllten sich meine eigenen nicht…

Imperial ist und bleibt ein spannendes Spiel, gute drei Stunden saßen wir, schmiedeten Pläne, verwarfen sie, paktierten, taktierten und fühlten uns gut unterhalten.

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