Spielabend, 03.08.
Diesmal in ganz kleiner Besetzung, zu dritt spielten wir “Le Havre” von Lookout Games. Ähnlich dem “Agricola” bietet es eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten, im Spiel zu agieren. Acht Grundwaren gibt es, die weiter verarbeitet werden , die zum Bau verschiedenster Gebäude benötigt, verschifft und verfuttert werden können. Im Zentrum des Spielplans fahren die Schiffe der Spieler über Spielfelder, die die Anhäufung von jeweils zwei der sechs Grundwaren um einen auslösen. Wer dran ist, nimmt von einem Kai sämtliche Waren, baut ein Gebäude oder nutzt ein Gebäude. Streng genommen ist das Bauen auch eine Gebäudenutzaktion. Auf drei Feldern des Spielplans liegen bunt gemischt viele Gebäude, die nach einem bestimmten Schema vorsortiert werden. Die obersten drei Karten liegen zum Bau bereit. Das sind am Spielbeginn Gebäude, die sich mit wenigen Baustoffen ins Spiel bringen lassen, z.B. die Fischerei, die mit einem Holz und einem Lehm zu bauen ist. Diese Anfangsgebäude sollen eine gewisse Grundversorgung sicher stellen, damit sich niemand über fehlende Nahrungsgrundlagen beschweren kann. Auf einem Kai stapeln sich rasch Fische, auf anderen Korn und Vieh, die sich zu Brot und Hackfleisch weiter verarbeiten lassen. Nach sieben Zügen müssen alle Spieler eine stetig steigende Menge Nahrung abgeben, d.h. im Spiel zu dritt ist der Startspieler dreimal am Zug, die anderen zweimal. Sobald einer die Werft baute, können auch Schiffe ins Spiel kommen. Nach und nach über Holz-, Eisen- bis zu Stahlschiffen, die zwei Funktionen erfüllen: Sie fangen stetig Fisch, mein Bedarf am Rundenende wird damit entlastet und zum anderen kann ich mit ihnen Waren verschiffen, sobald die Reederei gebaut wurde. Die gebauten Gebäude lege ich vor mir ab, sie haben einen Wert verzeichnet, zu diesem können sie auch gekauft anstatt gebaut werden. Geld ist allerdings über weite Züge des Spiels immer knapp. Am Spielende ist dieser Wert auch Angabe über die Siegpunkte. Diese Gebäude können genutzt werden, wie schon erwähnt, dafür lege ich meinen Spielstein drauf. Gegen einen Obolus in Form von Nahrung oder Geld nutze ich auch die Gebäude der Mitspieler. Manche sind gefragter als andere, ganz klar. Wenn ich Waren vom Kai einsammle, bleibt mein Spielstein im letzten Gebäude liegen, solange, bis ich wieder eines nutze. Das kann die Mitspieler schon in den Wahnsinn treiben, wenn ewig lange ein Gebäude besetzt bleibt. Die Vernetzung der Gebäude ist enorm, mein Vieh treibe ich ins Schlachthaus, dort bekomme ich Hackfleisch und Felle. Hack macht satt und die Felle kann ich in die Gerberei tragen, dort werden sie zu Leder verarbeitet, welches ich für eine hübsche Summe verschiffen kann. 30 Gebäude kommen ins Spiel, alle paar Runden wird die Stadt ein Gebäude bauen, welches für alle nutzbar bleibt. Zusätzlich kommen im Laufe des Spiels noch vier Sondergebäude dazu, die aus einem Pool gezogen werden. Damit kommt zusätzliche Abwechslung ins Spiel. Da wir schon etliche Partien spielten, kam noch der neueste Ausbausatz: “Le Havre: Le Grand Hameau” dazu, weitere Sondergebäude. Die aus dieser Partie waren nicht so prickelnd, der Souvenirladen bringt ein Geld aus der Bank, wenn jemand eines meiner Gebäude nutzt, die Sägemühle, die immer für ein Holz weniger bauen lässt, kam so spät, dass sie niemanden mehr interessierte… Da sind andere schon stärker in ihrer Wirkung. Im Spiel zu dritt ist nach 18 Runden Schluss, die höchste Summe aus Geld, Gebäudewert und Sonderpunkten bestimmter Gebäude gewinnt. Es spielt sich schon anders, als ein “Agricola”, trotz aller Ähnlichkeiten. Die Gebäudenutzung, die andere blockiert, die Verzahnung der Produktionsketten machen es etwas vielseitiger. Auch wenn die Menge an Ausbildungen und kleinen Anschaffungen dem gegenüber steht, diese werden nur zum kleinen Teil genutzt. Aber das Material ist hübscher in Agricola. Das Nahrungsproblem lässt sich gefühlt bei Le Havre besser in den Griff bekommen. Das Spiel ist komplex, spannend, zeitaufwendig und hat einen hohen Wiederspielreiz, sofern eine Neigung besteht, sich auf solche Kost einzulassen!