Spielabend, 27.07.

29. Juli 2010

Hochsommer und volle Bude. Im lange verwaisten Küchenkabinett gab es einen Sack Oldies:  Andreas, Jörg, Lucas und Vera spielten  zuerst ein “Attila” von Hans im Glück, danach “Bohnanza” von Amigo und zum Schluß “Gambler” von FX Schmid.

Bei Gambler werden 30 Würfel und Chips  unter den Mitspielern verteilt, und eine von zehn beidseitig bedruckten Karten mit Würfelreihen kommt auf den Tisch. Wer zuerst dran ist,  würfelt mit fünf Würfeln. Wenn mindestens ein Würfel zu einem noch freien, passenden Würfelfeld auf der Karte paßt, muß dieser Würfel auch dorthin gelegt werden. Und zwar immer von links nach rechts. Passen mehrere Würfel, darf der Spieler auch mehrere auf die Karte legen. Sofern er einen Würfel platzieren konnte, darf der Spieler mit den übrigen Würfeln noch einmal würfeln. Das geht so lange, bis er nicht mehr legen kann oder aufhören will. Nun ist der nächste an der Reihe. So geht es reihum bis alle Würfel-Reihen besetzt sind. Derjenige Spieler, der den letzten Würfel einer Reihe legt, bekommt die (Plus- oder Minus-)Punkte dieser Reihe. Man muß also genau aufpassen, zu welchem Zeitpunkt man wie oft würfelt. Denn wenn nur ein Würfel des Wurfes paßt, muß man genau diesen Würfel auch legen, und das möglicherweise auf ein Minus-Feld. Sobald die Würfel-Karte vollständig besetzt ist, kommt die nächste an die Reihe bis die vorgegebene Anzahl erreicht wurde. Wer die meisten Punkte hat, ist Sieger. Jörg rief beim Minuspunkte vergeben wohl immer am lautesten hier und Lucas sahnte ab….

Bohnanza ist ein Klassiker der Kartenspiele. Jeder hat zwei, optional auch drei Bohnenfelder, um von den 11 vorhandenen Bohnen-Sorten selbige anzubauen und möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Dabei gilt: Verändere niemals die Reihenfolge der Karten auf der Hand. D.h. man nimmt die Karten so auf, wie man sie bekommt, spielt nur von Vorne aus, und nachgezogene Karten werden hintenangesteckt. Wer  am Zug ist, kann 1-2 von seinen Handkarten, ganz vorne,  ausspielen und diese Bohnensorten auf seinen zwei vorhanden Bohnenfeldern anbauen. Danach werden zwei Karten vom verdeckten Stapel aufgedeckt und dann wird um diese beiden Karten gehandelt. Der am Zug befindliche Spieler kann diese entweder bei sich selbst anbauen, oder versuchen die Bohnen bei seinen Mitspielern gegen andere Bohnen einzutauschen. Gelingt dies nicht, so kann er sie noch verschenken, falls sie überhaupt jemand will,  oder muss sie im ungünstigsten Fall selbst anbauen und dafür eine bereits angebaute Bohnensorte abreissen… Es kann pro Feld nur eine Sorte angebaut werden. Am Ende eines Zuges werden noch 3 Karten nachgezogen und hintenangesteckt. Dann ist der nächste Spieler an der Reihe. Sobald eine Bohnensorte Geld einbringt, kann sie verkauft werden. Bei einigen ist dies schon bei zwei abgelegten Karten möglich, bei anderen erst bei vieren. Die Bohnen sind also unterschiedlich wertvoll und das macht auch einen Teil des Feilschens aus, wenn um die Bohnen geschachert wird.

Christine, Dirk, Gerhard und Manfred spielten “Age of Steam” und zwar den Skandinavien-Plan. Diese Pläne spielen sich sehr unterschiedlich. Letztens hatten wir den Westteil der USA auf dem Tisch, rasche Verbindungen vom Missippi zur Westküste und leichte Erreichbarkeit der Städte zeichneten diese Karte aus. Skandinavien spielte sich wohl ganz anders, da die Ostsee die ohnehin kleine Karte deutlich zerschnitt. Jeder blieb in seiner Ecke, große Verbindungsstrecken in überwiegend eigener Farbe waren recht schwierig zu bauen. Bauen selbst war ziemlich teuer. Drei Stunden dauerte die Partie.

In meiner Runde spielten Carl, Matthias, René und ich ein “Carson City”. Der Indianer als achte Charakterkarte kam frisch ausgedruckt hinzu und alle lagen auf der roten Rückseite. In dieser Variante hatte es noch niemand von uns gespielt. Die Funktionen waren überwiegend gänzlich andere und es erschien etwas verschärfter, die Vorteile nicht mehr so ausgeprägt. Der Sheriff zum Beispiel, welcher sonst eine weitere Figur bedeutete, die sich eine Aktion sichern konnte, hat nun nicht mehr diese extra Figur, darf von sich aus keine Duelle fordern, erhält aber bei verlorenen Duellen jeweils drei Siegpunkte. In der zweiten Spielrunde lieferte ich mir mit dem nur noch zwei statt drei Pistolen ausgestatteten Banditen und Matthias seinem Sheriff gleich drei Duelle und gewann sie alle. Das waren satte 12 Siegpunkte für ihn und das erschien uns fast kaum noch einholbar. So spielte sich Carson City schon anders, nichtsdestotrotz immer noch ein sehr spannendes  Spiel, das allen sehr gefiel, zumal wir am Ende alle sehr dicht mit den Punkten auflagen, und sehr gelungen Atmosphäre zu transportieren weiß.

Danach kam noch ein “Dominion” von Hans im Glück in die Runde, wobei wir aus allen Editionen zufällig Karten zogen. Das ging nur bedingt gut, so konnten wir üppig zusätzliche Aktionen wahrnehmen aber wenig anderes tun. Es funktionierte zwar, lief aber nicht ganz rund.

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Spielabend, 08.06.

28. Juni 2010

Ein ausgesprochenes Schwergewicht lag diesen Abend auf dem Tisch, “Rise of Empires” von Phalanx Games. Durch drei Epochen hindurch will jeder mit seinem Volk viele Siegpunkte sammeln. An vier Stellschrauben kann gedreht werden: Geld, Nahrung, Waren und Bevölkerung. Alles ist ganz fein abgestimmt miteinander verzahnt und als Neuling in einer Partie natürlich völlig unüberschaubar. Gerhard und Carl kannten es nicht, Lucas und ich spielten es vor einigen Wochen letztmalig. Die zu erwerbenden Kärtchen dienen der Mehrung der genannten Faktoren. Manche sind billig, andere bringen nicht viel, die teuren bedürfen bestimmte Kombinationen von Geld, Waren und Nahrung; die, die viel bringen haben ständige Nebenkosten. Wieder andere bauen auf den Erwerb anderer auf. Sehr durchdacht, was uns der Autor Martin Wallace präsentiert. Mit der Bevölkerung können punkteträchtige Gebiete erobert werden, Waren sind gegen Geld oder Punkte tauschbar, eine Mischung von allem gegen große Bauvorhaben, die natürlich auch wieder Punkte erbringen. Innovativ ist die Abwicklung der Spieleraktionen: Jede Epoche ist in zwei Phasen unterteilt, jeder hat abwechselnd sechs Aktionen pro Phase und legt dafür Marker auf den Spielplan. Die zweite Phase ist das Spiegelbild der ersten, jeder Spieler muss genau die gleichen Aktionen in gleicher Reihenfolge nochmals machen und das schafft reizvolle Entscheidungszwänge. Vier Stunden dauerte unsere Partie, das ist sicher lang, aber da wir ohnehin komplexe Aufbauspiele mögen, ist das für uns grundsätzlich kein Abwertungskriterium. Es ist theoretisch nachrechenbar, wer vorne liegt, aber mühsam, und so ließen wir es. Somit war es offen und sorgte für zusätzliche Spannung. Trotz hoher Einstiegshürden gefiel es allen!

Andreas, Manfred und Vera spielten anfangs “Taluva” von Hans im Glück, ein Legespiel aus dem Jahre 2006. Die Regeln sind sehr einfach, jeder legt ein Inselteil und dann einen Spielstein. Es gibt drei Sorten an Spielsteinen, deren Platzierungen an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Wer zwei der drei Sorten untergebracht hat, gewinnt. Sehr kurzweilig, eine Partie dauerte nicht länger als zwanzig Minuten. Das Spielmaterial ist wunderschön, die Häuschen liebevoll gestaltet, die Landschaftskärtchen aus dickem Karton und nach der Vulkanregel übereinander gestapelt entsteht eine Augenweide von einer Insel!

“Attila”, ebenfalls von Hans im Glück, wurde danach gespielt. Dieser Titel ist sogar noch älter, erschien im Jahr 2000. Thematischer Hintergrund ist die Völkerwanderung. Wer am Zug ist, spielt eine Karte und bringt anfangs nur am Rand, später nach und nach auch in angrenzende Regionen Europas, eine farblich passende Figur ins Spiel. Danach noch eine zweite oder Einfluss wird gesichert, der ist für die späteren Wertungen wichtig. Mit der fünften Figur in einer Region ist selbige proppevoll und es kommt zur Keilerei, die Figuren einer Farbe, von der die wenigsten vertreten sind, fliegt raus. Später darf dort niemand mehr rein. Nach einer bestimmten Anzahl von Konflikten kommt es zur Zwischenwertung. Eine nette Knödelei, Mehrheitenspiele gibt es mittlerweile allerdings zu Hauf, aus diesen ragt es nicht übermäßig raus, auch wenn ich es in meiner Sammlung nicht missen will.

Zu guter Letzt kam noch ein “Im Wandel der Zeiten - Würfelspiel” auf die Platte. Diese anspruchsvolle Kniffelvariante kann auch immer wieder begeistern!

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