Spielabend, 08.09.

12. September 2009

“Brass” stand diesmal auf meinem Plan, nicht ganz neu, 2007 kam es auf den Markt, zu viert stürzten wir uns drauf. Ein Wirtschafts- und Aufbauspiel der besonderen Art, das M. Wallace in seinem Warfrog Verlag veröffentlichte. Mittlerweile ausverkauft, ist es aber bei Pegasus unter dem Namen “Kohle” neu aufgelegt worden. Der Spielplan ist wahrlich keine Augenweide und bei der Übersicht bedarf es etwas der Mühe. Der grobe Rahmen ist schnell erklärt, wer am Zug ist, spielt zwei Karten, macht in den meisten Fällen dann auch zwei Aktionen und zieht zwei Karten nach. War jeder einmal dran, gibt es Einkommen. Ist der Stapel leer, spielen alle noch ihre verbliebenen Karten, dann ist die “Kanal-Phase” vorbei, das ganze nochmal als “Eisenbahn-Phase”, Abrechnung und schwup, ist das Spiel vorbei, ca. 3-4 Stunden vergangen. Die Feinheiten machen das Spiel komplex, und wir machten kleine Fehler in unserem Spiel, ohne das das System stark beeinträchtigt wurde, nur weil ich Regeln übersah. Doch worum geht es? Der Spielplan zeigt die Gegend von Lancashire, im mittleren Osten von England, das große alte Industriezentrum von Liverpool bis Manchester, um nur die bekanntesten Namen zu nennen. In diesen, wie in weiteren Städten können Industrien aufgebaut werden, fünf verschiedene an der Zahl. Das kostet Geld und u.U. auch Kohle und/oder Eisen. Genau an dieser Stelle greift ein besonderer Mechanismus in diesem Spiel: Auf die von mir frisch gebaute Kohlezeche werden je nach Technologie-Level in verschiedener Anzahl Kohle-Spielsteine gelegt. Für den Bau anderer Industrien ist oft Kohle nötig, besteht zwischen meiner Zeche und der neuen Industrie eine Kanal- oder später eine Eisenbahnverbindung, wird aus meiner Zeche eine Kohle entfernt, wenn sie am dichtesten an der Baustelle dran ist. Das kostet den Bauherrn nichts und liegt durchaus in meinem Interesse, da eine ausgeschöpfte Zeche Siegpunkte bringt und dauerhaft das Einkommen erhöht. Mit dem anderen “Baumaterial” Eisen funktioniert es fast genauso, eine direkte Verbindung ist nicht nötig. Die Häfen und Baumwollspinnereien haben eine ähnliche Verknüpfung. Nicht “erschöpfte” Kohlezechen und Eisenhütten werden in der Zwischen- und Schlusswertung ersatzlos vom Plan genommen, es besteht also dahingehend Druck. Dieses Element macht einen besonderen Reiz aus, ansonsten zieht das Spiel viel Spannung aus dem Wettlauf um die Bauplätze in den Städten und in ihren Verbindungen, da diese auch Punkte bringen. Das Spiel ist vielschichtig. Da gibt es noch die Anschlußmöglichkeit der Spinnereien an ferne Märkte mit einem Zockerelement verbunden, Industrien können überbaut werden bei höherem technischem Level, dies war ein Aspekt, den wir völlig unterschätzten und zu guter Letzt will ich noch die Entwicklungsaktion erwähnen: um an die punkteträchtigeren Industrien ran zukommen, können die einfachen “weggeforscht” und abgelegt werden. Durchaus keine seltene Aktion, zumal sie kostenlos ist. An dieser Stelle machten wir einen Fehler: beim Entwickeln werden Eisen-Counter vom Plan genommen, das gibt den uns so unattraktiv erschienenen Eisenhütten eine andere Bedeutung. Matthias und Manfred bauten jeweils früh eine solche und konnten bis zur Zwischenwertung ihr Eisen nicht los werden, verpulverten somit Aktion und Geld… Schluck, von diesem Fehler wissen die beiden noch gar nichts, fiel mir selbst erst vorhin beim nochmaligen Regel lesen auf, die Partie wäre bestimmt ganz anders… Doch ich bin auch gern zu einer Revanche bereit, das Spiel hat einen sehr guten Ruf in unserer Runde, auch wenn die Einstiegshürde nach einem langen Arbeitstag nicht gerade klein ist. Es ist dicht am Thema und wirkt nicht so abstrakt wie “Automobile”.

Am anderen Tisch lag in voller fünfer Besetzung “Railways of England and Wales” auf, ein Ausbausatz des “Railroad Tycoon”. Auch dies ein Spiel von M. Wallace. Dessen Spiele erfreuen sich einer enormen Beliebtheit bei uns. Diesmal allerdings konnten wohl die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, wie ich so aufschnappen konnte. Der Railroad Tycoon ist eine schlanke Fassung des “Age of Steam”, das geniale Spiel schlechthin von M. Wallace, der Tycoon ist dynamischer und verzeiht auch kleine Schnitzer, allerdings ist er nur in großer Runde, fünf oder sechs Spieler sollten es schon sein, wirklich gut spielbar und spannend, in kleiner Runde ist Age of Steam besser. Railways of England bringt eine zusätzliche Aktienebene, was erstmal interessant klingt, hat aber viele Feinheiten in verschiedenen Berechnungen, die mühselig und zeitraubend erschienen. Ein Disput zwischen zwei Spielern brachte ein vorzeitiges Ende. So kam anschließend nochmal das Atlantis von letzter Woche auf die Platte.

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Spielabend, 21.07.

23. Juli 2009

“Automobile” von Treefrog lag auf dem Tisch. Zu fünft stürzten wir uns drauf, an Lob wird auf einigen Seiten im Netz nicht gespart und auch Andreas und Christian, die es letzte Woche schon spielten, waren sehr angetan. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch. Autofabriken bauen, Autos produzieren und anschließend verkaufen, wer nach vier Runden das meiste Geld hat, gewinnt. So lässt sich das Spiel in einem Satz erklären. Es strotzt vor Feinheiten, ist von den einzelnen Möglichkeiten her sehr verzahnt und hochgradig interaktiv. Leider für zumindest die erste Partie auch unübersichtlich was Wirkung und Wechselwirkung der Aktionen angeht, das sind komplexe Spiele aber meistens. Auf dem Felderrundkurs sind Automodelle abgebildet, in den Kategorien hoch-, mittel- und niedrigpreisig. Auf diesen Feldern kann jeweils nur ein Spieler Fabriken bauen. Die Baukosten steigen stetig, Produktionskosten und Verkaufspreise sind allerdings festgeschrieben. Warum sollte ich dann eine Fabrik bauen, die teurer ist, deren Autos aber den gleichen Gewinn bringen?  Am Rundenende erhalten alle Spieler, die Fabriken älterer Modelle haben, Malus-Marker, die ihrerseits Geld kosten und nicht so einfach entsorgt werden können. Dem Verkauf liegt ein pfiffiger Mechanismus zu Grunde, keiner weiß genau, wieviele Autos in welchen Kategorien verkauft werden können, da jeder verdeckt einen oder zwei  Marker mit dem Wert zwischen 2 - 5 zieht, die Gesamtsumme ist der Absatzmarkt. Unverkaufte Autos müssen nicht nur ersatzlos verschrottet werden, zusätzlich gibt es auch noch die ungeliebten Malus-Marker. Eine weitere Absatzmöglichkeit bieten Verkäufer, sollten diese herum lümmeln und nichts zu verkaufen haben, gibt es wieder Malus-Marker… An allen Ecken und Enden lauern die Gefahren, sich zu verkalkulieren. Sehr unmittelbar bin ich von den Aktionen der anderen Spieler abhängig, die Tendenz der letzten Jahre, in anspruchsvollen Spielen frickelt jeder für sich allein hin, ist endlich mal wieder durchbrochen worden. Auf viele Einzelheiten bin ich jetzt nicht weiter eingegangen, es ist schon ein ausgewiesenes Rechenspiel, bei einem dicken Fehler kann ich nur hoffen, dass den anderen auch welche unterlaufen. Automobile wirkt auf mich deutlich abstrakter als die anderen Spiele der Treefrog-Reihe, z.B.  “Tinners Trail” und “Steel Driver” sind leichtfüssiger und überschaubarer, dauern auch mit ungefähr einer Stunde Spielzeit ca. nur die Hälfte einer Partie Automobile. Es hat mir gefallen, die sehr hohen Erwartungen aber nicht erfüllen können. Bis zum Handel sind nur sehr wenige Exemplare vorgedrungen, die allermeisten sind per Vorbestellung verkauft worden. Für den Herbst plant Phalanx Deutschland eine Neuauflage.

Danach spielten wir wieder mal “Times up” mit Manfred und René vom Nebentisch, die mit Ralf an einem “Imperial” von “Eggert Spiele” saßen, das , mit “Funkenschlag” von “2F-Spiele”, den höchsten Wiederspielreiz in unserer Runde hat.

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Spielabend, 30.6.

2. Juli 2009

Diesmal platzte die Runde aus allen Nähten, seit langem wurde das Küchenkabinett mal wieder aktiviert, dort saßen René, Lucas, Christine und Jörg bei einer Partie “Ideology: The War of Ideas” von Z-Man Games, die Meinungen gingen von gut bis durchwachsen auseinander. Auf dem  großen Tisch lag “Le Havre” von Lockout Games;  Marcus, Christian, Matthias und Manfred optimierten ihre Produktionsketten, anspruchsvoll, lange Spieldauer aber immer wieder spannend, war der Tenor. Am kleinen Tisch durchspielten Andreas, Ralf und ich einige Jahrhunderte Geschichte im Zweistromland: “After the Flood” von Tree Frog. An sich schon im letzten Herbst erschienen,  hat dieses Spiel nie den Weg in unseren Laden gefunden, da Tree Frog nicht über die üblichen Vertriebswege erreichbar ist. Alter Fan des Autors, Martin Wallace, sowie Jäger und Sammler, der ich bin, war einige Mühe nötig, das Spiel aufzutreiben. Spiele der Tree Frog Reihe, “Steel Driver” von den letzten Wochen ebenso, werden nur in einer Auflage von 1500 Stück produziert. Da es einige Fans dieses Autors weltweit gibt, verdampfen die Spiele regelrecht. Das neueste Spiel von ihm, “Automobile”, ging komplett über die Vorbestellungen weg, zumindest an die, die früh genug bestellten, ich bekam keines mehr ab, schluchz… Es gibt ihn also doch, den Verkäufermarkt. Nun aber zum Spiel: Sehr ungewöhnlich, es ist für genau drei Spieler, nicht mehr oder weniger. Auf dem Spielplan ist grob erkennbar in Feldern unterteilt das Zweistromland, farblich dunkler abgesetzt, die zumeist bergigen Randgebiete. Jeder startet mit einer Handvoll Waren und anfänglich zehn, die weiteren vier Runden dann mit acht Arbeitern. Jeder macht eine Aktion, dann der nächste usw. , bis alle gepasst haben. An Aktionen gibt es eine Fülle, die meisten beziehen sich darauf, die Arbeiter einzuteilen. In die Produkion: Landwirtschaft, Herstellung von Textilien, in die Schreibstuben, Werkzeugmacher. Als weiteres schicke ich sie ins Land als potentielle Händler oder sie halten einer Invasionsarmee die Tür auf. In Landwirtschaft und Textilien sorgt ein pfiffiges System für die Handelsgrundlagen Korn- und Kleidungklötzchen der nächsten Runde: Haben alle Spieler gleichviele Arbeiter dort eingesetzt, erhalten alle gleichviel, dreht einer an der Stellschraube und setzt weitere Arbeiter dort ein, verschiebt sich die Ausschüttung. Mit diesen Grundwaren kann als Handelsaktion mit der Bank getauscht werden, in Holz, Öl, Gold, Metall, Lapis Lazuli, sofern in den Gebieten, die tauschen, auch eigene Arbeiter stehen. In jeder Runde tauchen drei Invasionsarmeen auf, wenn in ihrem Startgebiet Arbeiter stehen, kann als Aktion ihr Wirken initiiert werden, muss aber nicht. Eroberte Gebiete verschaffen Siegpunkte am Rundenende, die Armeen verschwinden dann aber auch wieder. Eine weitere Siegpunktquelle ist der Stadtausbau. Städtegründung ist kostenlos, nur im Kerngebiet Mesopotamiens möglich und verschafft je nach Stadt noch kleine Vorteile. Der Stadtausbau bringt umso mehr Punkte, je verschiedenartiger die eingesetzten Waren sind, der Hauptaspekt, weswegen getauscht wird. Natürlich kämpfen die Armeen untereinander. Wie in vielen Spielen von M. Wallace, ist auch hier eine leichte Achillesferse: bei Kämpfen kommen Würfel zum Einsatz, die ganze langwierige Planung, stundenlange strategische Prozesse werden mit einigen verissenenen Würfelwürfen auf den Kopf gestellt. Ich bin kein Würfel- oder Glücksspielhasser, nur wenn die Glücksmomente bei Aufbauspielen zum Flaschenhals werden, hinterlässt das so manchesmal einen faden Beigeschmack, aller Wahrscheinlichkeitsrechnung zum Trotz. Es gibt noch etliche weitere Regelfeinheiten, der Einsatz der Waren spielt an vielen weiteren Stellen noch entscheidende Rollen, Armeeverbesserung, Aufstockung der Armeegröße usw. Jedenfalls zog Andreas über einige Runden davon, konnte dann aber für mich überraschend noch in der letzten Runde abgefangen werden. Sehr vielschichtig und komplex von den Entscheidungsmöglichkeiten her, so erschließt sich das Spiel erst nach einer Partie. Kein leichter Einstieg, kam aber bei allen gut an!

Zu guter Letzt natürlich wieder “Times up”. Kein Spiel schaffte es in den letzten Jahren so konstant über viele Wochen hintereinander hinweg immer wieder auf den Tisch. Diesmal kam eine neue Regel zum tragen: Bei ungerader Spielerzahl erklärt man dem links folgend sitzendem Spieler und bekommt es vom rechts sitzenden erklärt, die Summe aus beiden Stapeln erspielter Karten ergibt die persönlichen Siegpunkte.

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