Spielabend, 01.02.

3. Februar 2011

Noch saßen die Regeln von “Vinhos” in den Köpfen und so spielten wir es abermals. René und ich rieben uns die Hände, Christian spielte es im Herbst letztmals und Nikolej noch nie. Um es vorweg zu nehmen, René und ich teilten uns den letzten Platz, Christian gewann, dicht gefolgt von Nikolej… Ich setzte anfangs auf Portwein und konnte diesen zu guten Preisen verkaufen. Mit dem üppigen Konto im Rücken und einem Experten unter dem Arm, welcher den Erwerb der Weinberge verbilligte, kaufte ich drei Berge auf einmal. Der absehbare Regen lies die Ernte bei zwei der drei Berge ausfallen und in der Schlussrunde konnte ich nur einen in Punkte umsetzen, nicht alle wie wir es beim letztenmal fälschlicherweise taten.  Für die Ausstellungen war ich nicht sehr gut positioniert und so blieb am Ende wenig an Punkten bei mir. Eine Feinheit tauchte noch beim Einsetzen der Experten während der Ausstellung auf. Trotz guter Regel, die keine Fragen offen lässt, muss jeder auf eine schier grenzwertige Menge Einzelheiten achten. Schnell gerät dabei etwas in Vergessenheit, die Konzentrationsanforderung bei Vinhos ist sehr hoch. Jedem Spieler stehen in seinem Zug bis zu vier Zusatzaktionen zur Verfügung. Das ganz genaue Timing, wann welche gemacht werden darf, schenkten wir uns, das auch noch im Kopf zu behalten, war uns zuviel. Auch wenn wir wieder drei Stunden spielten, lang wurde uns die Zeit nicht!

In der anderen Runde spielten Andreas, Gerhardt, Lucas und Manfred ein “Age of Industry” von M. Wallace, der Neuauflage von “Brass”, wobei es weiter entwickelt wurde. Die Kanalphase fällt aus, diese ausgeprägte Besonderheit der mittelenglischen Region während derer Industrialisierung trat in den Regionen von Age of Industry, Deutschland auf der einen Kartenseite und der Nordosten der USA auf der anderen nicht so stark auf. Laut Andreas ist der Nachfolger von Brass schlanker, hat weniger Sonderregeln und ist somit dynamischer und flüssiger zu spielen. Ein Teil der Handkarten war bei Brass an Orte gebunden, nur dort konnte eine Industrie gebaut werden. Dies ist jetzt einer Farbcodierung für ein Gebiet gewichen und damit sind die Karten flexibel einsetzbar. Das Gerücht eines “Brass – light” konnte nicht bestätigt werden, es dauerte in etwa so lange, wie der Vorgänger.

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Spielabend, 08.09.

12. September 2009

“Brass” stand diesmal auf meinem Plan, nicht ganz neu, 2007 kam es auf den Markt, zu viert stürzten wir uns drauf. Ein Wirtschafts- und Aufbauspiel der besonderen Art, das M. Wallace in seinem Warfrog Verlag veröffentlichte. Mittlerweile ausverkauft, ist es aber bei Pegasus unter dem Namen “Kohle” neu aufgelegt worden. Der Spielplan ist wahrlich keine Augenweide und bei der Übersicht bedarf es etwas der Mühe. Der grobe Rahmen ist schnell erklärt, wer am Zug ist, spielt zwei Karten, macht in den meisten Fällen dann auch zwei Aktionen und zieht zwei Karten nach. War jeder einmal dran, gibt es Einkommen. Ist der Stapel leer, spielen alle noch ihre verbliebenen Karten, dann ist die “Kanal-Phase” vorbei, das ganze nochmal als “Eisenbahn-Phase”, Abrechnung und schwup, ist das Spiel vorbei, ca. 3-4 Stunden vergangen. Die Feinheiten machen das Spiel komplex, und wir machten kleine Fehler in unserem Spiel, ohne das das System stark beeinträchtigt wurde, nur weil ich Regeln übersah. Doch worum geht es? Der Spielplan zeigt die Gegend von Lancashire, im mittleren Osten von England, das große alte Industriezentrum von Liverpool bis Manchester, um nur die bekanntesten Namen zu nennen. In diesen, wie in weiteren Städten können Industrien aufgebaut werden, fünf verschiedene an der Zahl. Das kostet Geld und u.U. auch Kohle und/oder Eisen. Genau an dieser Stelle greift ein besonderer Mechanismus in diesem Spiel: Auf die von mir frisch gebaute Kohlezeche werden je nach Technologie-Level in verschiedener Anzahl Kohle-Spielsteine gelegt. Für den Bau anderer Industrien ist oft Kohle nötig, besteht zwischen meiner Zeche und der neuen Industrie eine Kanal- oder später eine Eisenbahnverbindung, wird aus meiner Zeche eine Kohle entfernt, wenn sie am dichtesten an der Baustelle dran ist. Das kostet den Bauherrn nichts und liegt durchaus in meinem Interesse, da eine ausgeschöpfte Zeche Siegpunkte bringt und dauerhaft das Einkommen erhöht. Mit dem anderen “Baumaterial” Eisen funktioniert es fast genauso, eine direkte Verbindung ist nicht nötig. Die Häfen und Baumwollspinnereien haben eine ähnliche Verknüpfung. Nicht “erschöpfte” Kohlezechen und Eisenhütten werden in der Zwischen- und Schlusswertung ersatzlos vom Plan genommen, es besteht also dahingehend Druck. Dieses Element macht einen besonderen Reiz aus, ansonsten zieht das Spiel viel Spannung aus dem Wettlauf um die Bauplätze in den Städten und in ihren Verbindungen, da diese auch Punkte bringen. Das Spiel ist vielschichtig. Da gibt es noch die Anschlußmöglichkeit der Spinnereien an ferne Märkte mit einem Zockerelement verbunden, Industrien können überbaut werden bei höherem technischem Level, dies war ein Aspekt, den wir völlig unterschätzten und zu guter Letzt will ich noch die Entwicklungsaktion erwähnen: um an die punkteträchtigeren Industrien ran zukommen, können die einfachen “weggeforscht” und abgelegt werden. Durchaus keine seltene Aktion, zumal sie kostenlos ist. An dieser Stelle machten wir einen Fehler: beim Entwickeln werden Eisen-Counter vom Plan genommen, das gibt den uns so unattraktiv erschienenen Eisenhütten eine andere Bedeutung. Matthias und Manfred bauten jeweils früh eine solche und konnten bis zur Zwischenwertung ihr Eisen nicht los werden, verpulverten somit Aktion und Geld… Schluck, von diesem Fehler wissen die beiden noch gar nichts, fiel mir selbst erst vorhin beim nochmaligen Regel lesen auf, die Partie wäre bestimmt ganz anders… Doch ich bin auch gern zu einer Revanche bereit, das Spiel hat einen sehr guten Ruf in unserer Runde, auch wenn die Einstiegshürde nach einem langen Arbeitstag nicht gerade klein ist. Es ist dicht am Thema und wirkt nicht so abstrakt wie “Automobile”.

Am anderen Tisch lag in voller fünfer Besetzung “Railways of England and Wales” auf, ein Ausbausatz des “Railroad Tycoon”. Auch dies ein Spiel von M. Wallace. Dessen Spiele erfreuen sich einer enormen Beliebtheit bei uns. Diesmal allerdings konnten wohl die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, wie ich so aufschnappen konnte. Der Railroad Tycoon ist eine schlanke Fassung des “Age of Steam”, das geniale Spiel schlechthin von M. Wallace, der Tycoon ist dynamischer und verzeiht auch kleine Schnitzer, allerdings ist er nur in großer Runde, fünf oder sechs Spieler sollten es schon sein, wirklich gut spielbar und spannend, in kleiner Runde ist Age of Steam besser. Railways of England bringt eine zusätzliche Aktienebene, was erstmal interessant klingt, hat aber viele Feinheiten in verschiedenen Berechnungen, die mühselig und zeitraubend erschienen. Ein Disput zwischen zwei Spielern brachte ein vorzeitiges Ende. So kam anschließend nochmal das Atlantis von letzter Woche auf die Platte.

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