Spielabend, 09.08.
Da wagt sich mal wieder eine Kuh auf´s Eis. Aufbauspiele, die sich thematisch der Entwicklung von Zivilisationen annehmen, sind komplex, regel- und zeitintensiv: “7 Ages”,” Civilisation” in seinen verschiedenen Varianten, “Im Wandel der Zeiten”, um kurz die besten und bekanntesten zu erwähnen. Die Versuche, es in kürzerer Spielzeit von ein bis zwei Stunden interessant zu gestalten, konnten fast alle nicht überzeugen: “Tempus” oder “Mare Nostrum” hatten nicht die reizvolle Spieltiefe, andere Titel konzentrierten sich sehr auf risikoähnliche Würfelkampforgien. Nun probiert es Ystari mit dem “Olympos” von Philippe Keyaerts, der durch “Vinci” und “Small World” bekannt ist. Das große Spielbrett zeigt Griechenland und die Küste der Westtürkei, Kreta sowie drei Inseln, die Atlantis darstellen sollen. Die griechische Mythologie hat in Form von zufälligen Götterkarten einen nicht unerheblichen Einfluss, der vom griechischen Theater bekannte Kniff des Deus ex machina findet hier eine äquivalente Anwendung. Doch wie geht es? Olympos hat eine sehr überschaubare Struktur. Ich kann expandieren und bringe hierfür eine neue Horde meines Stammes ins Spiel oder bewege eine schon existierende. Das eroberte Gebiet bringt mir eines der vier Baumaterialien, räume ich eines, verliere ich selbstredend das Material. Ich kann die Gebiete anderer Spieler angreifen, das klappt immer, ist aber unterschiedlich zeitintensiv, je nachdem wie fortschrittlich ich im Militärwesen bin. Bin ich überlegen, dann kostet es eine Zeiteinheit, bin ich unterlegen, deren drei. Auch die Bewegung an sich kostet Zeit, starte ich vom Nordrand der Karte und will im selben Zug bis nach Atlantis runter, verbrauche ich neun Zeiteinheiten, die am Spielfeldrand verzeichnet werden. Es ist immer derjenige Spieler am Zug, welcher augenblicklich den geringsten Zeitverbrauch hat. Ein pfiffiges System, nicht neu, gab es z.B. schon bei “Jenseits von Theben”, aber reizvoll. Werden auf dieser Randleiste bestimmte Felder erreicht, dann springt schon erwähnter Gott aus der Maschine, genauer gesagt, vom Kartenstapel und beschert einen Vor- oder Nachteil. Neben der Expansion gibt es noch die Aktionsmöglichkeit des Fortschritts. Hierfür müssen bestimmte Baumaterialien gesammelt sein und dann kann vom kleinen Spielbrett ein Fortschritt gegrabscht werden. Diese sind limitiert, nur zwei oder drei gibt es von jedem, also kann nicht jeder alles entwickeln; das wäre aber auch ohnehin nicht zu schaffen. Diese Fortschritte verändern natürlich Regeln, bei vielen dreht es sich um Varianten von verringertem Zeitverbrauch beim Einsetzen, der Bewegung oder dem Erwerb anderer Fortschritte. Zusätzliche Siegpunkte oder Göttergunst sind andere Möglichkeiten. Den Berg Olymp gibt es auf dem Spielfeld und neben dem Baustoff Marmor verschafft er eine Göttergunst. Diesen nahm ich ins Visier und musste erschüttert das Auftauchen von barbarischen Ralfianern auf diesem heiligen Berg wahrnehmen. Das ging natürlich gar nicht und so schickte ich ein paar meiner Ordner vorbei, damit die richtigen Vereinsfarben von der Bergspitze wehten. Diese Ralfianer sind ein störrisches Völkchen und mussten immer wieder ihre Hufen auf diesen Berg setzen, kurzum die Vereinsflaggen wechselten des öfteren. Ich sah meine Felle schon davon schwimmen, da der listige Gerhard, in dessen Wortschatz der Satz: “Willste Kloppe?” nicht vorkommt und immer an der Wand lang sich lukrative Filetstücke der griechischen Küste sicherte. An Quellen für Siegpunkte gibt es aber verschiedene und so überraschte es mich dann doch, nur ganz knapp hinter Barbarenralf zu liegen und selbst Analyselukas, Optimierungsspezialist schlechthin, noch in die Schranken weisen zu können. Olympos gefiel allen, es ist eine schöne Mischung aus Plan-, Eroberungs- und Glücksspiel und dauerte nicht länger, als die angegebenen 90 Minuten.
Danach spielten wir noch ein “Ruhm für Rom” und probierten neue Möglichkeiten aus.
Am anderen Tisch spielten Andreas, Manfred, Fabian und Nikolej zuerst ein “Ruhm für Rom” und danach ein “Navegador”, welche beide zu begeistern wussten. Zu guter Letzt zockten die Verbliebenen noch das gute alte “Njet”.