Spielabend, 13.09.

22. September 2011

Länger als ein Jahr ist es her, seit “Rise of Empires” von Martin Wallace letztmalig von uns gespielt wurde. Carl konnte sich gar nicht mehr erinnern und Lucas ganz wage, immerhin. Der vierte im Bunde war Deniz, welcher es noch nicht kannte. Dieses Spiel ist komplex und vielschichtig. Die Auswirkungen bestimmter Aktionen sind oft erst Runden später in voller Bandbreite spürbar. Wie im Autoscooter rissen wir alle ständig das Lenkrad von einer Richtung in die andere oder behielten es konsequent in einer. Dumm nur, dass wir vom Wirkungsgrad eher in Öltankern saßen. Meine in Wald und Flur gefürchtete Bergwerksstrategie kostete soviel Nahrung, dass ich es selbst mit permanentem Ackerbau in der Schlußrunde gerade so zu einem Nahrungsvorrat von Null schaffte und nicht in eine Hungersnot drifftete. Deniz setzte anfangs wenig in den Ausbau der Infrastruktur und hatte früh deutlich mehr Siegpunkte und die geliebte Hasskappe, später fehlten ihm die Rohstoffe. Solche Schnitzer merken wir uns natürlich für die nächste Partie, bestimmt… Carl und ich gingen ein Zweckbündnis ein gegen die imperialistischen Siegpunkte-Raffer, welches so aussah, das ich mir an Lucas seinen Ländereien die Zähne ausbiss während Carl immerhin mich nicht angriff, oder zumindest nicht so schnell… Selbstredend ist die Welt nicht gerecht und Carl wurde haushoher Sieger… Ein Klassespiel, facettenreich und spannend, drei bis vier Stunden Spieldauer sollten eingeplant sein.

Andreas, Fabian, Manfred und Ralf spielten “Poseidon” von Lookout, das Wirtschaftsspiel im Stil der 18xx Eisenbahnspiele. Das Spiel war ein Desaster, so Andreas, er wurde nur dritter mit seiner Hochpreisstrategie, deren Kern ein höchstmöglicher Startpreis ist, um immer zuerst zu ziehen und die maximale Wertsteigerung zu ermöglichen. Der listige Manfred erwarb die billigste Sonderkarte, setzte sie sofort ein und hatte wohl aufgrund günstiger Startposition eine üppig sprudelnde Einnahmequelle. Fabian verrechnete sich an einer Stelle ganz mächtig und schoss aus seiner Privatschatulle kräftig in seine Linie, konnte aber trotzdem den zweiten Platz gut behaupten. Ralf machte den Propheten. Den sich selbsterfüllenden: “Ich werde bestimmt letzter.” Die gebetsmühlenartigen Wiederholungen dieses Satzes wurden natürlich von den Spielgöttern erhört… Novum der Runde war der kollektive Verzicht der Sonderkarte Archon. Diese ist zwar die teuerste, aber mit dem Eintausch in eine hochwertige Aktie zum Ende hin, bisher zumindest den Sieger krönte. Auch Poseidon ist abendfüllend und so gab es hier ebenfalls kein zweites Spiel.

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Spielabend, 08.06.

28. Juni 2010

Ein ausgesprochenes Schwergewicht lag diesen Abend auf dem Tisch, “Rise of Empires” von Phalanx Games. Durch drei Epochen hindurch will jeder mit seinem Volk viele Siegpunkte sammeln. An vier Stellschrauben kann gedreht werden: Geld, Nahrung, Waren und Bevölkerung. Alles ist ganz fein abgestimmt miteinander verzahnt und als Neuling in einer Partie natürlich völlig unüberschaubar. Gerhard und Carl kannten es nicht, Lucas und ich spielten es vor einigen Wochen letztmalig. Die zu erwerbenden Kärtchen dienen der Mehrung der genannten Faktoren. Manche sind billig, andere bringen nicht viel, die teuren bedürfen bestimmte Kombinationen von Geld, Waren und Nahrung; die, die viel bringen haben ständige Nebenkosten. Wieder andere bauen auf den Erwerb anderer auf. Sehr durchdacht, was uns der Autor Martin Wallace präsentiert. Mit der Bevölkerung können punkteträchtige Gebiete erobert werden, Waren sind gegen Geld oder Punkte tauschbar, eine Mischung von allem gegen große Bauvorhaben, die natürlich auch wieder Punkte erbringen. Innovativ ist die Abwicklung der Spieleraktionen: Jede Epoche ist in zwei Phasen unterteilt, jeder hat abwechselnd sechs Aktionen pro Phase und legt dafür Marker auf den Spielplan. Die zweite Phase ist das Spiegelbild der ersten, jeder Spieler muss genau die gleichen Aktionen in gleicher Reihenfolge nochmals machen und das schafft reizvolle Entscheidungszwänge. Vier Stunden dauerte unsere Partie, das ist sicher lang, aber da wir ohnehin komplexe Aufbauspiele mögen, ist das für uns grundsätzlich kein Abwertungskriterium. Es ist theoretisch nachrechenbar, wer vorne liegt, aber mühsam, und so ließen wir es. Somit war es offen und sorgte für zusätzliche Spannung. Trotz hoher Einstiegshürden gefiel es allen!

Andreas, Manfred und Vera spielten anfangs “Taluva” von Hans im Glück, ein Legespiel aus dem Jahre 2006. Die Regeln sind sehr einfach, jeder legt ein Inselteil und dann einen Spielstein. Es gibt drei Sorten an Spielsteinen, deren Platzierungen an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Wer zwei der drei Sorten untergebracht hat, gewinnt. Sehr kurzweilig, eine Partie dauerte nicht länger als zwanzig Minuten. Das Spielmaterial ist wunderschön, die Häuschen liebevoll gestaltet, die Landschaftskärtchen aus dickem Karton und nach der Vulkanregel übereinander gestapelt entsteht eine Augenweide von einer Insel!

“Attila”, ebenfalls von Hans im Glück, wurde danach gespielt. Dieser Titel ist sogar noch älter, erschien im Jahr 2000. Thematischer Hintergrund ist die Völkerwanderung. Wer am Zug ist, spielt eine Karte und bringt anfangs nur am Rand, später nach und nach auch in angrenzende Regionen Europas, eine farblich passende Figur ins Spiel. Danach noch eine zweite oder Einfluss wird gesichert, der ist für die späteren Wertungen wichtig. Mit der fünften Figur in einer Region ist selbige proppevoll und es kommt zur Keilerei, die Figuren einer Farbe, von der die wenigsten vertreten sind, fliegt raus. Später darf dort niemand mehr rein. Nach einer bestimmten Anzahl von Konflikten kommt es zur Zwischenwertung. Eine nette Knödelei, Mehrheitenspiele gibt es mittlerweile allerdings zu Hauf, aus diesen ragt es nicht übermäßig raus, auch wenn ich es in meiner Sammlung nicht missen will.

Zu guter Letzt kam noch ein “Im Wandel der Zeiten – Würfelspiel” auf die Platte. Diese anspruchsvolle Kniffelvariante kann auch immer wieder begeistern!

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Spielabend, 06.10.

8. Oktober 2009

Kurzfristig im Laden aufgetauchte Neuheiten schmissen meine “Cuba – El Presidente” – Pläne  über den Haufen, “Tobago” von Zoch und “Rise of Empires” von Phalanx warteten noch handwarm vom Drucker auf erste Tests. Mein Kollege Peter brachte aus unserer anderen Filiale Tobago mit und so schoben wir zwischen Bergen von frisch gelieferten “Schleich-Tieren” eine hastige Partie zu zweit ein, für 2 – 4 Spieler gedacht, bot sich das zum Kennenlernen für den Abend prima an. Tobago ist eine Augenweide, allein die Gestaltung der Schachtel lädt zu längerem Anschauen ein. Der Spielplan besteht aus drei doppelseitig bedruckten Teilen und bietet somit eine Vielzahl an Planvarianten an. Er stellt die Insel dar und unterteilt diese in verschieden großen Gebieten von sechs Geländearten im Sechseckraster. Tobago ist kein Entwicklungs- und Aufbauspiel, eher ein Knobelspiel. Viele Schätze sind auf der Insel vergraben, diese gilt es zu finden. Es gibt keine festen Vorgaben, sondern die Schatzorte werden durch die von den Spielern gelegten Karten eingeschränkt bis zuletzt nur noch ein mögliches Feld übrig bleibt. Die Karten haben Symbolangaben wie: liegt im Wald, nicht neben einem Fluß, ein bis zwei Felder entfernt von einer Palme usw. Auf dem Plan werden zu Beginn noch Figuren verteilt,  Statuen, Palmen und Hütten. Es gibt vier Schatzsorten, für welche Karten am Spielfeldrand gelegt werden können. Wenn es nur noch einen Ort gibt, muss der Schatz noch ausgegraben werden. Dafür fährt jeder Spieler mit einem Jeep auf dem Plan, anstelle eine Karte zu spielen, allerdings nur im beschränkten Radius. Ist er gefunden, wird die Beute verteilt zwischen allen Spielern, die Karten zur Findung spielten, die eigentliche Hebung ist nicht entscheidend, derjenige sichert sich allerdings ein erstes Zugriffsrecht auf die Münzkarten. Schönes kleines Zockerspiel im Spiel, jeder beteiligte erhält verdeckt Münzkarten und weiss somit um Werte, die anschließend im Kartenpool liegen, ihre Werte schwanken zwischen zwei und sechs Münzen, die bei Spielende als Siegpunkte gezählt werden. Der Finder deckt die Münzen auf und in der Reihenfolge der zuletzt gelegten Schatzkarten entscheiden die Spieler, nehme ich die Münzkarte oder nicht; wer zugreift, verliert ein Zugriffsrecht. Warte ich auf bessere Münzkarten oder greife ich zu, Spatz oder Taube…? Für das gesamte Spiel sind zwei Fluchkarten zwischen den Münzen, weitere beteiligte in dieser Verteilung gehen leer aus und müssen gar eine Münzkarte abgeben, können sie sich nicht mit einem Amulett schützen. Leider geht dem Spiel etwas verloren, wenn  beide Flüche  gezogen wurden, das Verlustrisiko hat schon ein erhebliches Spannungsmoment. Danach geht es mit dieser Schatzsorte wieder von vorne los, sind alle Münzkarten verteilt, ist das Spiel zu Ende. Nach jeder Schatzhebung werden in Blickrichtung der Statuen, wirkliche Kleinode, Amulette verteilt, anschließend die Statuen gedreht. Mit den Jeeps können diese Amulette eingesammelt werden. Sie schützen vor Münzverlust, für weit wichtiger halte ich ihre andere Funktion, pro Amulett einen weiteren Zug machen zu können. Im Spiel zu zweit deutlich taktischer, ist es trotz des sich verringernden eigenen Einflusses mit mehreren noch spannend. Am Abend zu viert gespielt, versuchte jeder sich rasch dort einzuklinken, wo eine zügige Hebung zu erwarten war, um auf den vorderen Plätzen früher auf Münzkarten zu zugreifen. Unterhaltsam und kurzweilig kam es gut an. Danach wieder eine Partie “Magister Navis”, ich musste nicht lange bitten, der Wiederspielreiz ist bei Magister hoch. Christine kannte es noch nicht, trotz Neuling in der Runde schafften wir es in einer Stunde Spielzeit, ein starker Aspekt seiner augenblicklichen Beliebtheit.

Am anderen Tisch wurde “Rise of Empires” zu fünft gespielt, trotz englischen Titels in deutscher Ausführung lieferbar. Ein neuer M. Wallace, komplex und zeitaufwändig, über vier Stunden wurden Reiche aufgebaut und durch die Zeiten entwickelt. Der kurze Meinungsüberblick im Anschluß klang zwiespältig, nette neue Mechanismen, aber im ganzen zwei Stunden zu lang war der Tenor. Da muss nochmal nachgetestet werden…

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