Spielabend, 07.07.

9. Juli 2009

Während sich Christine, Manfred und Lucas über “Dominion - Die Intrige” und “Roll through the ages” hermachten, peitschten Andreas, Matthias, Gerhard und ich  am anderen Tisch ein umfangreiches Programm durch. Anfangs lag mit dem schon vor anderthalb Jahren erschienenen  “Strozzi” von Rio Grande im Vertrieb bei Abacus der abschließende dritte Teil der “Medici” Reihe von R. Knizia vor.  Ein einfaches und schnelles Mehrheitenspiel. Der aktive Spieler deckt eine Karte auf, das abgebildete Schiff hat mehrere Informationen verzeichnet: die Zahl auf dem Segel gibt die Geschwindigkeit wieder, die schnellsten drei  Schiffe eines Hafens erhalten einen Bonus. Dann sind Waren abgebildet, in verschiedener Anzahl, zu guter Letzt kann eine weitere Kartenart abgebildet sein, die einen Zugriff auf eines der am Rande liegenden sogenannten “Mäzenkärtchen” erlaubt. Jeder Spieler kann auf drei Schiffe im Laufe einer Runde zugreifen. Diese werden dann Häfen zugeordnet, in dennen deren Waren handelbar sind. Entsprechend rückt des Spielers Marker in diesem Hafen um die auf dem Schiff angegebene Anzahl der Waren dieses Hafens hoch. Haben alle Spieler ihre Schiffe, wird in der Zwischenwertung für die ersten drei Spieler jedes der vier Häfen ein Punktebonus in abgestufter Folge ausgeschüttet. Nach drei Spielrunden ist Schluss, die gesammelten Mäzenkärtchen werden nun noch zusätzlich gewertet. Das Spiel ist erschütternd spannungsarm und zum Glück schnell vorbei. Es ist das schwächste der Reihe;  mit “Medici”, 1995 erstmalig bei “Amigo” erschienen legte R. Knizia ein kurzweiliges Versteigerungsspiel vor,  welches viele Fans fand.2006 kam “Medici versus Strozzi” auf den Markt, ein sehr gelungenes Pokerspiel für zwei Spieler. Alle drei Spiele sind noch erhältlich, mittlerweile bei Rio Grande im Programm.

“Roll through the ages”, im Vertrieb bei Pegasus, kam danach an die Reihe. Anspruchsvolles Kniffeln im historischen Aufbauspielgewand. Nach bekannter Manier hat jeder sein Blatt, drei Versuche und anfangs drei Würfel. Das Symbol “Arbeiter” erlaubt neue Städte zu bauen, die den Würfelpool erhöhen oder Monumente, die bei Fertigstellung Siegpunkte bringen. Die Städte müssen ernährt werden, dafür ist das Symbol “Hirse” zu erwürfeln. Das Warensystem in diesem Spiel halte ich für ausgesprochen pfiffig: Pro gewürfeltem “Güter” Symbol gewinne ich auf einem kleinem hübschen Steckbrettchen pro Kategorie eines dazu, also erst bei fünf Güter in einem Wurf darf ich in der wertvollsten Spalte den Stecker ein Feld weiter führen, in den vier geringwertigeren natürlich auch. Durch Akkumulation dieser Güter schaffe ich Werte, die mit dem letzten Symbol “Münze”, Wert sieben, aufaddiert den Erwerb von Entwicklungen ermöglichen. Hier liegt der Hase im Pfeffer: eine Vielzahl von Fortschritten  zu unterschiedlichen Preisen mit unterschiedlich starken Wirkungen geben jeder Partie einen anderen Gang: z.B. Landwirtschaft erhöht den Hirseertrag um 25%, Karavanen lassen mich mehr Güter ansammeln, Architektur erbringt Bonuspunkte für Monumente usw. Einige Fortschritte puffern die Wirkungen der Katastrophen. Welche Katastrophen…? Nun, es gibt auch ein Symbol “Totenschädel”, einer im ganzen Wurf stellt nicht mehr als eine landesweite Erkältung ohne weitere Wirkung dar, bei zwei gibt es eine Dürre, bei drei eine Pest, die aber die anderen Spieler trifft usw. Katastrophen sowie nicht ernährte Städte führen zu Minuspunkten. Hat ein Spieler fünf Fortschritte erworben oder alle Spieler haben alle Monumente gebaut, dann ist Schluß. Ein spannendes Spiel, das alle zu begeistern weiss, ein kleiner Geheimtipp, kaum bekannt, noch schwieriger zu erhalten, momentan auch nicht mal lieferbar. Komplett in englisch, aber leicht zugänglich. Wir probierten das erste Update, “the late bronze Age” mit weiteren Fortschritten, im Netz runterzuladen. Pegasus plant für den Herbst eine deutsche Version.

Hiernach lag “You Robot” im Vertrieb bei Asmodeé auf der Platte. Zweier Teams werden gebildet, wechselseitig ist jeder mal Operator oder Roboter. Alle Operator einigen sich auf eine der zwei möglichen Aufgaben, auf Karten sind Abbildungen, die der eigene Roboter möglichst schnell einnehmen soll. Die Kröte ist, dass der Operator nix sagen darf ausser “Stop” und einzig auf Positionskarten zeigen darf, die Körperteile zeigen oder Richtungen, die eingeschlagen werden sollen. Nach drei Runden brachen wir ab. Es war bis dahin zuwenig Wein ausgeschenkt für solche Spiele und/oder wir fühlen uns zu alt für solche Spiele…

Es gibt eine “Schatzkiste” von Alea mit Erweiterungen für sechs Spiele der letzten zehn Jahre. Zu dritt probierten wir die Erweiterung für “San Juan”, einem anspruchsvollem Kartenspiel, dass uns immer noch zu gefallen weiss. Alle bauen Gebäude in der Stadt San Juan, historisches Mäntelchen um das 16./17. Jahrhundert herum. Auf den Karten sind Produktionsgebäude (Silberschmelze, Zuckermühle, Kaffeerösterei usw.) oder Stadtgebäude in Hülle und Fülle zu unterschiedlichen Baukosten. Baukosten heißt, z.B. auf dem Zollamt, einer der neuen Karten, steht oben in der Ecke der Wert vier. Ich muss vier andere Handkarten abwerfen, um das Zollamt zu bauen. Aber welche? Ist der Hafen nicht interessanter und ich werfe lieber das Zollamt ab…? Mit solchen Entscheidungen schlagen sich die Spieler herum. Am Rundenende zieht nicht jeder einfach Karten nach, sondern muss mit dem Bau und der Nutzung von Gebäuden einen Kreislauf erzeugen, der wieder Karten abwirft. Wer das zwölfte Gebäude baut, beendet das Spiel. Immer noch spannend, die neuen Gebäude kamen nicht sofort alle zum tragen, mir gefiel mein Hafen gut, von verkauften Waren durfte ich eine Karte unter den Hafen legen, die dort gesammelten Karten waren am Spielende noch Punkte wert. Die zweite Erweiterung “Die Ereignisse” packten wir auch gleich mit dazu, tauchen diese auf, wandern sie zu den Rollenkarten und können alternativ einmalig benutzt werden.

Zu später Stunde rückte der andere Tisch endlich “Dominion - Die Intrige” raus und wir konnten den ersten großen Ausbausatz des frisch gekürten “Spiel des Jahres” testen. In meinen Augen ist der Preis insofern gerechtfertigt, als das es eine echte Innovation darstellt, was dieses Spielsystem bietet. Die Familientauglichkeit ganz allgemein halte ich für fraglich, wer nicht ohnehin gern und oft spielt, wird sich einer hohen Einstiegshürde gegenüber sehen, muss sich konzentrieren und Geduld mitbringen, wird dann aber mit einem spannenden Spielgenuss belohnt. Zu genauem Ablauf an anderer Stelle mehr.

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Spielabend, 26.05.

28. Mai 2009

Letzte Woche fiel der Abend krankheitsbedingt aus. Auch diesmal kam wieder “Sherwood Forest” auf den Tisch, wir waren zu fünft und hatten ebenfalls einen Mordsspass! Allerdings kamen verschärfend die Fortgeschrittenenregeln dazu. Das sind zum einen drei Ausrüstungskarten, die keine Kampfkarten darstellen und zum anderen taucht jetzt der Sheriff von Nottingham zwischen den Reisenden auf. Das ist insofern sehr unangenehm, als dass es nicht mehr möglich ist, bei zu geringer Bandengröße der Kutsche zuzuwinken und sie ziehen zulassen, ohne Beute, aber auch ohne eigene Verluste. Scherereien mit den Schergen des Sheriffs bedeutet immer bei eigener Unterzahl Verlust von Siegpunkten und Leuten. Das kann mächtig zurückwerfen, wie es René geschah, dem zweimal in einer Runde vom Sheriff zwei Siegpunkte und zwei Leute abgeknöpft wurden. Von diesem Tiefschlag erholte er sich nicht mehr, auch wenn die anderen ihn öfter einluden, den Abstand holte er nicht mehr auf… Fazit: Der Glücksanteil ist nicht gering in diesem Spiel, aber der Unterhaltungswert ist groß!

Danach fand “Chicago Express” von Queen Games zum wiederholten Mal seinen Weg auf den Tisch, es ist die Neuheit von Essen, welche im Herbst letzten Jahres am häufigsten immer wieder rausgeholt wurde. Nur Marcus kannte es nicht. Ein relativ einfaches Eisenbahnspiel, im Vergleich zu den Brocken der 18xx Reihe, aber doch etwas vielschichtiger als ein “Zug um Zug” von Days of Wonder oder ein “Trans America” von Winning Moves. Das Spiel besitzt eine Aktien-Ebene mit eigener Kasse der Gesellschaften, von denen es fünf im Spiel gibt. Auf einer Karte mit dem Nordosten der USA, bis nach Chicago, im Hexfeldraster, bauen die Spieler Strecken. Angeschlossene Städte und schicke große neue Bahnhöfe erhöhen den Aktienwert der Gesellschaft, folglich tue ich dies nur mit Gesellschaften, von denen ich auch Papiere halte. Der eigentliche Zug jedes Spielers ist sehr überschaubar: Entweder versteigert er eine beliebige Aktie, sofern noch im Pool der anvisierten Gesellschaft welche vorhanden sind, baut eine Gesellschaft aus, maximal drei Streckenabschnitte, die Unkosten dafür trägt die Gesellschaft oder baut einen Bahnhof. Wenn von diesen drei Möglichkeiten zwei in einer bestimmten Häufigkeit als Aktion der Spieler gewählt wurden, ist eine Runde zu Ende und es folgt eine Zwischenausschütung von Geld je nach Wert der Papiere. Sind von drei Gesellschaften alle Aktien versteigert oder alle Züge verbaut, ist das Spiel zu Ende und nur der gesammelte Geldwert zählt, die Aktien haben keinen Wert. Zu den Gemeinheiten des Spiels zählt die Tatsache, dass der sich sicherlich  stätig steigende Wert einer Gesellschaft bei den Ausschütungen durch die Anzahl der kursierenden Papiere geteilt wird. Jedes weitere Papier, welches von meiner Lieblingslinie versteigert wird, verkleinert mein Kuchenstück, ich werde mich natürlich mit Versteigerungsinitiierung missliebiger Gesellschaften rächen, könnte aber auch auf die Wertsteigerung “meiner” Linie hinarbeiten, wenn es da nicht die Parasiten von Mitspielern gäbe, die von “meiner” Linie auch Anteile hätten, das ist die Krux, es gibt nicht real meine Gesellschaft, nur gefühlt, die anderen verdienen kräftig mit. Sich alle Aktien einer Gesellschaft zu sichern ist kaum machbar, soviel Geld hat der einzelne auch nicht; sinnvoll ist es auch nicht unbedingt, wenn noch ein anderer mit ausbaut, ist das  zu begrüßen. Das Spiel kann sehr schnell gehen, grad wenn man ahnt, das der Hase nicht mehr für einen selber und die Zeit davon läuft. So auch gestern, eine halbe Stunde wurde das Spiel erklärt und eine halbe Stunde gespielt. Etwas schade, fanden die meisten, das Spiel trägt und erträgt auch mehr, spannend bleibt es und seine festen Fans in der Dienstagsrunde hat es.

Am Nebentisch spielten Andreas, Helene und Manfred “Tintenblut” von Kosmos mit mäßiger Begeisterung und danach noch ein “Roll through the ages”, anspruchsvolles Kniffeln im historischen Gewand mit deutlich mehr Freude.

Zu guter Letzt kam in einer sechser Runde noch das alt beliebte “Cash and Guns” auf den Tisch, dazu an anderer Stelle mehr.

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