Spielabend, 10.01.
Kurz vor Weihnachten wurde noch so manche Neuheit der Essener Messe erstmalig ausgeliefert und so können wir uns jetzt diesen widmen: Manfred, René, Lucas und Gerhard spielten “Village” von eggertspiele. Ein Aufbau- und Ressourcenmanagementspiel, welches im europäischen Mittelalter platziert wurde. Nun, ganz frisch ist das Thema nicht, ja im Gegenteil, fast schon mutig zu nennen, einen dermaßen geschundenen Themengaul wieder in die Spur zu schicken. Es gilt, Waren herzustellen und diese auf dem Markt zu verscherbeln oder auf Reisen zu verbrauchen. Karriere in der Kirche oder dem Rathaus sind andere Punktequellen. Soweit, so bekannt, so öde? Nein, durchaus nicht, um vorweg zugreifen, im Spiel zu zweit gefiel es mir und die Runde des heutigen Abends hatte seinen Spaß. Die verschiedenen Wege können konzentriert verfolgt werden oder jeder mischt überall mit. Angenehm ist die direkte Nachvollziehbarkeit des Tuns: ich gehe als Aktion auf´s Feld und ernte zwei Säcke Korn, habe ich einen Ochsen und einen Pflug, dann ernte ich vier Säcke. Alle Aktionen sind dicht am Thema und sitzen schnell im Kopf. Das Aktionen Zeit als Kosteneinheit haben können, ist so neu nicht, im “Jenseits von Theben” wunderbar eingesetzt oder um ein aktuelles Beispiel zu nennen: “Olympos” greift es auch vorzüglich auf, so bietet “Village” hier eine reizvolle Weiterentwicklung. Ist eine bestimmte Menge Zeit verbraucht, muss ich ein Familienmitglied sterben lassen. So ich mich um Nachwuchs gekümmert habe, ist das nicht schlimm. Ich habe innerhalb einer Generation sogar die Auswahl und das macht es spannend, geschickt die “wichtigen” Altvorderen im Rathaus oder der Kirche mühsam in die lukrativen Posten gehievt, am Leben zu erhalten. Interessant zu sehen war die unterschiedliche Entwicklung, und dass Gerhards Versuch, sehr zeitschonend zu spielen, um möglichst wenige sterben lassen zu müssen, gar nicht das Ziel ist, da die Verstorbenen, die es in die Dorfchronik schaffen, auch noch Punkte bringen. Einzig bemängelt wurde, dass die Entwicklung schneller erschöpft war, als das Spielende eintrat. Im Nachhinein hätte auf die letzte Runde komplett verzichtet werden können, da sich nichts mehr änderte und die Schere nur noch weiter auseinander ging.
In meiner Runde spielten Andreas, Nikolaj und Ralf mit mir ein “Quebec” aus dem Hause “Ystari”. Vor einigen Wochen schon einmal auf dem Tische gelegen, konnte sich damals keiner auf eine klare Einschätzung festlegen und ich konnte diesmal nachempfinden, warum. Zum einen hat der Themenmantel, der Bau verschiedenster Gebäude in Quebec über den Zeitraum von rund 400 Jahren nur wenig mit dem eigentlichen Mechanismus zu tun, sehr schnell tritt der abstrakte, aber durchaus gut funktionierende Ablauf zu Tage und zum anderen “verbrennt” das ausgesprochen lobenswerte Bemühen um Übersicht und Klarheit durch bunte Farben viel von der Atmosphäre des Spielplans und der Gebäude, da finde ich die matten Pastellfarben eines “Burgen von Burgund” stimmiger. Die Grundzüge von Quebec sind schnell zu überblicken: Ich versetze meinen Architekten auf einen vakanten Baugrund, welcher für diese Epoche erlaubt ist oder setze Arbeiter zu einem beliebigen Architekten, sofern dort noch Platz ist. Ist es nicht mein eigener, erhalte ich eine Belohnung. An dieser Stelle wird es etwas knifflig, da diese sehr verschieden ausfallen und das Ausloten, welches nun der sinnvollste Bauplatz ist, geneigten Grüblern viel Tummelplatz bietet, die Spielzeit explodieren zu lassen… Je mehr Arbeiter an der Vollendung mithalfen, umso mehr Punkte erhält der Spieler des Architekten am Spielende. Die eingesetzten Arbeiter landen in dem jeweiligen Farbfeld am Spielplanrand und geben nach einem ungewöhnlichen System Punkte: Jeder ist grundsätzlich einen Punkt wert, derjenige Spieler, der die meisten in diesem Feld werten konnte, darf die Hälfte davon, maximal fünf, ins nächste Wertungsfeld verschieben und so nochmal Punkte sammeln. So gab es immer wieder Überraschungen. Quebec sitzt zwischen den Stühlen: ein runder Mechanismus mit einer unrunden Umsetzung.
Danach spielten Nikolaj, Ralf und ich noch eine Partie “Stone Age” mit der neu erschienenen Erweiterung. Schmuck taucht als neue Ware auf, einige neue Hütten und Karten dazu. Wesentliches Element ist der Tauschmarkt, über welchen der Erwerb von Hütten und Karten verbilligt wird, dafür muss aber viel Zeit in die Händleraktion gesteckt werden. Im ganzen konnte diese Erweiterung uns nicht überzeugen, wer “Stone Age” schon sehr sehr oft spielte und Abwechslung sucht, könnte Gefallen finden.