Spielabend, 18.10.
Ein Auswärtsspiel im fernen Biesdorf. Die Spielrunde verlagerte sich aufgrund eines runden Geburtstages zum Überraschungsbesuch beim verduzten Lucas. Dessen Spielesammlung verleitete natürlich anfangs zu Gesprächen über diese und jene Perle, so dass wir anschließend tatsächlich Schwierigkeiten hatten, uns auf ein Spiel zu einigen. “Saludos Amigos” sollte es dann sein, aus dem Jahre 1996 vom Goldsieber Verlag. Ein bayrisches Dorf will reich werden. Auf der grünen Wiese entstehen im Spielverlauf verschiedene Bauprojekte: ein Kurhotel, ein Spielcasino, eine Kläranlage usw. Am Rundenanfang wird ein Bauabschnittskärtchen aus dem Filzbeutel gezogen. Dieses hat einen variablen Geldwert, welcher vom Projekt und den schon fertigen Abschnitten abhängt. Jeder Spieler hat Gemeinderatsmitglieder auf seiner persöhnlichen Seite, die haben für die folgende Abstimmung eine Stimme. Jeder erhält weitere Stimmen, die jeder für sich durch einen Würfelwurf bestimmt. Danach wird es rasch hektisch und laut, schnell will einjeder Teil der Koalition werden, die den Bauabschnitt genehmigt und das Geld kassiert. Meine oft mühselig gezimmerte Koalition der Gerechtigkeit, die jedem den gleichen Anteil zusicherte, wurde nur zu oft von neidischen Mitgliedern der Opposition torpediert, die einem Wendehals mehr Beute versprach, wenn nur das Fähnchen gewechselt werden würde. Ein sehr witziges und kurzweiliges Verhandlungsspiel! Bier-und-Brezel pur und das auch noch im wahrsten Sinne des Wortes: ein Minibierkrug liegt dem Spiel bei, sowie ein Brezelmarker, zum Anzeigen der aktuellen Stimmanteile von Koalition wie Opposition. Die Unterlegenen erhalten ein weiteres Gemeinderatsmitglied und können es auch mal auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen. Dafür wird mit den Karten direkt geboten, die die Werte von 1 – 3 auf der Unterseite haben. Das ist zusätzlich noch ein schönes Zockerelement, niemand weiss genau, wer in dieser Abstimmung noch wieviele Stimmen in die Waagschale werfen wird. Wir haben uns glänzend unterhalten mit Saludos Amigos, spielten es aber auch zu sechst, mit weniger Mitspielern fehlen dann sicher die Verhandlungsteilnehmer.
Anschließend spielten wir das geliebte “Times up!” mit dem leider bisher einzigen Ausbausatz in Deutschland, der “Games Geek Expansion”, die mehrsprachig gehalten ist. Dieses geniale Spiel scheint in Belgien und Frankreich sehr viel erfolgreicher zu sein, gibt es doch dort schon etliche Zusätze. Sich diese zu besorgen wäre sicher nicht unmöglich, nur wieweit die Kenntnisse und der Spielreiz gehen werden, wenn es sich um belgische Fernsehköche oder französische Lokalpolitiker dreht, da habe ich meine Zweifel. Die Game Geek war genau das richtige für uns, nur Spiele und Spieleautoren sind auf den Karten zu finden! Gerüchteweise soll in diesem Jahr noch eine Erweiterung in deutsch erscheinen, wir geben die Hoffnung nicht auf!