Spielabend, 29.06.
Alle vier Jahre grabe ich aus aktuellem Anlass ein bestimmtes Spiel aus der Kammer: “World Cup Tournament Football” vom Verlag Australian Design Group aus dem Jahr 1993. Ein lockeres “Bier-und-Brezel-Spiel” für bis zu 24 Spieler, wobei ich es in so großer Runde noch nie spielte. 2006 waren wir so um die zehn Mitspieler, diesmal nur zu fünft, die Reisezeit macht sich bemerkbar. Das Spielbrett stellt einen WM - Spielplan dar, Vorrunde, Zwischenrunde und die Finalspiele. Jeder Spieler bekommt verdeckt Teams zugelost, die tragen zwei Werte: Einen Tor- und einen Elfmeterwert. Zusätzlich erhält jeder fünf Karten, mit ebenfalls diesen zwei Werten. Wer dran ist, legt eine Karte offen in ein beliebiges Vorrundenfeld zu einer Mannschaft und eine weitere verdeckt in eines der Folgespiele. Pro Feld dürfen nicht mehr als drei Karten liegen. Sind alle belegt, wird die WM ausgewertet. Ganz schlicht werden die Torwerte jedes Teams addiert, Grundwert der Mannschaft sowie die Karten dazu, bei Gleichstand wird die Summe des zweiten Werts verglichen. In den Neunziger Jahren nahmen nur 24 Mannschaften teil, so konnte ich nicht alle Südafrikateilnehmer aufstellen. Da auf alle gespielt werden darf, fliegen erst einmal die Nullerkarten auf die missliebige Konkurrenz. Wer sich zu früh mit seinem Liebling outet, indem eine dicke Zweier- oder gar eine der seltenen Dreierkarten gespielt wird, zieht magisch die kleinen Werte an. Zu lange sollte man damit aber auch nicht warten, drei Karten liegen schnell bei einer Mannschaft. Tüfteln muss jeder bei der weiteren Planung, dem Spielplanbaum folgend spiele ich Karten auf zukünftige Spiele, von denen ich nicht sicher sein kann, kommt eines meiner Teams je dort an… Darin liegt ein guter Teil der Spannung, das Zocken auf die kommenden Paarungen. Meine Franzosen scheiterten genauso kläglich wie in der Realität, meine Kameruner kamen zumindest eine Runde weiter. Südafrika wurde dritter und in der Wiederholung von Deutschland gegen England schafften die Engländer den Sieg und wurden sogar Weltmeister, geht doch!
Am zweiten Spiel des Abends saßen wir dann nur noch zu viert, ein weiterer Oldie, den Gerhard mitbrachte: “Vernissage” von Klaus Teuber im TM-Verlag auch 1993 erschienen. Der Kunstmarkt ist das Thema, jeder kauft Werke der fünf Künstler und “übt” Einfluss über seine Kunstagenten auf die Künstler aus, indem diese zwischen Erfolgen, Skandalen und Schaffenskrisen schwanken. Das wird mittels eines Würfels entschieden, nur über die Höhe der Wertveränderung der Werke des betroffenen Künstlers muss ein Konsens aller Einfluss nehmenden Spieler gefunden werden. Der Glücksmoment schlägt noch an einer anderen Stelle unbarmherzig zu: beim Erwerb der Werke greife ich erstmal die Katze im Sack in Form eines zufälligen Kartenstapels, dabei wird viel Geld verbrannt. Das Spiel zog sich hin und konnte keine rechte Begeisterung auslösen. Vor knapp zwanzig Jahren gehörte es zu den anspruchsvollen Titeln und durchaus zu meinen Lieblingen, mittlerweile gibt es zuviel bessere…
Als Absacker kam “Hoppladi Hopplada” von Zoch auf den Tisch. An mir ist dieses Spiel bisher völlig vorbei gegangen, 2008 kam es auf den Markt, in meinem Urlaub in Freiburg durfte ich es bei dortiger Spielrunde kennenlernen. Ein Würfelspiel, dem Klassiker “Chicago” ähnlich. Die Würfel zieren Hasen, Möhren und Ställe. Nach einem Wurf der anfangs sieben Würfel muss ich wenigstens einen Hasen dabei haben, den ich beiseite lege, sonst ist der Wurf futsch. Ich kann auch Ställe beiseite legen, aber immer nur einen und diese müssen aufeinander aufbauen. Die gesammelten Hasen werden mit dem größten Stall multipliziert. Der nächste Spieler kann einen gewerteten Wurf fortführen, muss aber nach bekannten Regeln agieren und mindestens einen Hasen rauslegen. Zwei Hasen sind auf einem Würfel… Hoppladi hat einen schönen Pokerflair, ist kurzweilig und unterhaltsam!